Folge 4: Sensitivity Reading und eine Pride-Flagge in der Karibik

Shownotes

Die einzelnen Rubriken:

(00:01:55) Unboxing by Julia: Sensitivity Reading (00:29:14) Anruf aus der Vergangenheit (00:36:42) Community Teil (00:41:58) Unboxing by Kathleen: Es weht ein Pride-Wind auf St. Lucia (00:50:15) Kulturempfehlungen (00:57:28) Angstkatzenhäschen & Goldener Blumenstrauß

UNBOXING TRANS – Mehr Wissen, weniger Vorurteile. Mit Julia und Kathleen

In Folge #4 wird wieder mächtig unboxt. Denn in jeder Folge bringen die Hosts Julia und Kathleen jeweils ein Thema mit trans-Bezug mit, von der die jeweils andere vorher nichts weiß. Darüber tauschen sich die beiden dann aus. Ein Gespräch zwischen trans und cis - geprägt von Neugier und Offenheit. In diese Folge hat Julia hat Thema "Sensitivity Reading" zum Unboxen mitgebracht. Wie kann Beratung von bspw. Drehbüchern dafür sorgen, dass bestimmte Gruppen, wie TIN (trans/inter/nicht-binäre) Menschen und ihre Geschichten nah an der Realität und frei von Klischees erzählt werden können? Kathleen hat die Flagge eines Landes dabei, das gerade ein LGBTQI+-feindliches Gesetz abgeschafft hat und unboxt darum herum die Frage nach Reisesicherheit und Privilegien. Beim Anruf aus der Vergangenheit erfahrt ihr über die transFrau Hertha Wind. In der Community-Frage geht's darum, was eine Transition eigentlich kostet. Wie immer gibt es Kulturtipps und am Schluss den Anti-Preis, der diesmal in die USA geht. Einen Riesen Blumenstrauß für true Allyship geht dieses Mal nach Köln an den Verein Rubikon! Viel Spaß beim Hören!

UNBOXING TRANS – Mehr Wissen, weniger Vorurteile. Jeden Monat eine neue Folge.

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Transkript anzeigen

00:00:01: Ihr hört Unboxing Trans.

00:00:04: Ein Podcast, in dem wir in jeder Folge ein Thema auspacken, das für Trans-Menschen wichtig ist und über das Allies und Verbündete vielleicht noch wenig wissen.

00:00:14: Trans-Themen kommen derzeit fast nur als Antitrans-Themen vor.

00:00:18: Mit Unboxing Trans wollen wir das ändern.

00:00:20: Wie?

00:00:21: Indem wir von innen heraus erzählen.

00:00:24: Wir, das sind übrigens Katlin und ich bin die Julia.

00:00:27: Zwei Freundinnen, die eine Cis

00:00:29: und die andere Trans.

00:00:30: Und was besprechen wir so?

00:00:33: In zehn Folgen bringt jede von uns etwas mit, was die andere Person vorher nicht weiß.

00:00:38: Ich habe immer ein Thema dabei, das für Transmenschen wichtig ist.

00:00:41: Dieses Thema packen wir dann bis ins Detail aus.

00:00:44: Und du?

00:00:46: Ich bringe ein Objekt mit, das ich mit Transthemen verbinde und Kultur-Tipps.

00:00:51: Außerdem bekommen wir einen spannenden Anruf aus der Vergangenheit und lernen eine historische Persönlichkeit kennen.

00:00:56: Dann beantworten wir auch Fragen aus der Community und Vergebenpreise.

00:01:00: Wir haben das Angstkatzenhäschen als Antipreis und einen goldenen Blumenstrauß für besonderes Engagement.

00:01:08: Aloha Julia, wie schön, wir sehen uns endlich mal wieder.

00:01:12: Wir hören uns endlich mal wieder.

00:01:14: Heute schon zur vierten

00:01:15: Folge.

00:01:16: Yeah, ich habe gestern schon gedacht, boah krass, als wir angefangen haben das zu planen.

00:01:22: oder wie die Idee entstanden ist überhaupt damals.

00:01:25: Und jetzt sind wir tatsächlich in der Umsetzung und schon in der vierten Folge.

00:01:29: Ich freue mich riesig und bin sehr gespannt, was wir heute machen.

00:01:34: Ich auch.

00:01:35: Also schön, dass ihr auch wieder rein hört.

00:01:37: Diesmal ist die Folge ein bisschen später dran.

00:01:39: Vielleicht habt ihr es gemerkt, aber eine Person von uns musste unbedingt in Urlaub, Scoosie.

00:01:44: Und wir hoffen, euch geht es allen gut.

00:01:48: Und jetzt bin ich natürlich gespannt, Julia.

00:01:50: Worüber reden wir heute?

00:01:52: Welches Thema hast du zum Unboxing dabei?

00:01:56: Ich habe ein Begriff mitgebracht, der nennt sich Sensitivity Consulting oder Sensitivity Reading.

00:02:04: Weißt du, was das ist?

00:02:05: Kannst du dir was darunter vorstellen?

00:02:07: Ja, ich glaube, ich weiß, was das ist.

00:02:10: Also Sensitivity Reading ist ein Service, also ein... eine Beratung, gerade im Bereich Filmproduktion, gerade im Bereich wahrscheinlich Drehbucherstellung, in der es in dem Fall jetzt bei dir vermutlich darum geht, queere Charaktere so realistisch wie möglich im Drehbuch schon dargestellt zu sehen.

00:02:33: Also in der Art und Weise wahrscheinlich, wie sie beschrieben werden, wie ihre Gefühlslagen eventuell sind, weil oft werden ja Drehbücher von Menschen geschrieben, die nicht unbedingt in Rollen von Jetzt in dem Fall zum Beispiel queeren Personen stecken oder von Menschen vielleicht mit narkronischen Erkrankungen oder Menschen mit Rassismus-Erfahrung oder Menschen mit Fluchterfahrung.

00:02:56: Also ich glaube in all diesen Bereichen dieser sehr speziellen Erfahrungsebenen können externe BeraterInnen helfen, Drehbücher realistisch zu gestalten.

00:03:08: Genau, sehr gut beschrieben.

00:03:10: Also häufig ist es ja so, dass gerade AutorInnen und so... vor sensiblen Themen irgendwie zurückschrecken, weil sie Angst haben, irgendwas falsch zu machen.

00:03:19: Und dann ist es oft so, und das ist glaube ich jetzt in den letzten Jahren immer mehr gekommen, dass man sich dann externe Personen dazu nimmt, die dann die Beleitung für die Entwicklung zum Beispiel dieses Drehbuches machen.

00:03:32: Also häufig ist das bei Drehbüchern, bei Filmen ist das der Fall.

00:03:36: Und Ziel ist es dabei, eine möglichst, also nicht nur eine diskriminierungsfreie Sprache zu nutzen, sondern auch so typische, stereotypische, vielleicht diskriminierende Narrative usw.

00:03:51: durch eine zeitgemäße Darstellung.

00:03:55: Möglichst authentisch und sehr realistisch an der Lebensrealität der betroffenen, marginalisierten und oft minderheiten, die jetzt von schwierigen stereotypischen Darstellungen immer wieder betroffen sind.

00:04:12: Sensitivity Reading oder Consulting soll halt dazu beitragen, dass diese Personengruppen nicht noch mehr verletzt werden, sondern dass man dort mal mit ja sensibel an diese Themen rangeht, um sie authentisch darzustellen.

00:04:27: Und das gibt es zum Beispielweise auch am Filmset.

00:04:31: Wenn es jetzt um, ich sag mal, sehr erotische Darstellung geht, da gibt es dann ein Intimacy Coach.

00:04:38: Ich habe letztens mal in einem Hotel eine Regisseurin da kennengelernt und die hat mir dann davon berichtet, dass es dort extra einen Coach gibt, der dann auch berät, wie sich jetzt beide Seiten verhalten bei so einer intimen Szene und so.

00:04:55: Und also da geht es in der Filmbranche immer mehr darum, dass man ja nicht problematische Inhalte irgendwie reproduziert.

00:05:05: Ich habe in der Vergangenheit schon ein paar Produktionen begleitet.

00:05:08: Ich war also das allererste Mal bei der Lindenstraße damals.

00:05:11: Ach echt?

00:05:13: Ja.

00:05:13: Ah guck, das wusste ich gar nicht, lustig.

00:05:16: Zu dem Zeitpunkt, als wir uns begonnen haben, kennenzulernen, hattest du gerade diesen Berlinale Film, deutscher Film, wo du auch mit auf dem roten Teppich standest, fand ich auch total spannend, dass du das machst.

00:05:27: Und ich habe ja auch so ein klitzekleines bisschen hier und da Berührungen immer mal wieder mit der Filmbranche gehabt.

00:05:32: Dementsprechend kenne ich durchaus die Gewerke und auch die neu dazugekommenen Gewerke, wie jetzt sozusagen Sensitivity, Reading, aber auch diese Intimacy Coaches, die ja nicht nur den... Akteuren, also den Spielenden vor der Kamera, sagen so und so, sieht das realistisch und gut aus, oder so könnt ihr euch wohlfühlen, sondern auch dafür sorgen, dass insgesamt ein, ja, dieses Wort Safe Space sozusagen, oder so Safe wie möglich Space vor der Kamera passiert, weil es sind dann ja oft sehr, sehr verletzbare Situationen, also nackte Situationen zum Beispiel oder entblößende Situationen.

00:06:08: Und drumherum vergisst man ja oft stehen ... vor der Kamera, die Technik, Techniker, irgendwelche Soundpeoples, also genau.

00:06:19: Und die Intimacy-Coordinator-Person schützt ja in dem Fall auch, gerade nach Mitu ist das ja aufgekommen, schützt auch dann die Menschen, die da vor der Kamera,

00:06:30: insbesondere.

00:06:31: Also jetzt mal ein Kurzbericht vom Set.

00:06:34: Wir haben eine Szene gedreht, wo nur zwei Personen geschauspielert haben und drum herum.

00:06:40: Und das war eine ganz kleine Wohnung.

00:06:41: Die war vielleicht, ich sag mal, dreißig Quadratmeter groß und zwei Zimmer.

00:06:45: Und in dem einen Zimmer, in dem kleineren Zimmer, wurde die ganze Technik aufgebaut und in dem großen Zimmer wurde gedreht.

00:06:52: Und es wurde eine so eine Eisenbahnschiene, sag ich mal, aufgebaut.

00:06:57: Und darauf wurde dann die Kamera gestellt, die ist dann hin und her gefahren.

00:07:00: Und dann waren da noch Leute von der Requisite, von der Maske, von der Technik, Tontechnik, Lichttechnik und so weiter.

00:07:05: Insgesamt war der Raum voll mit vierzig Personen.

00:07:09: Jetzt musst du dir mal vorstellen.

00:07:10: Jetzt sind zwei Personen, die hier eine intime Szene miteinander drehen sollen, und vierzig Personen schauen die dabei zu.

00:07:17: Und deshalb, glaube ich, ist es sehr wichtig, gerade solche Intimacy-Coaches da irgendwie mit dabei zu haben, damit das alles halbungslos abläuft, sag ich mal.

00:07:26: Für mich, totale Albtraumszene.

00:07:28: Für mich wäre das gar nichts.

00:07:30: Also ich bin ja sowieso sehr, wie soll ich sagen, sehr schambehaftet.

00:07:34: Aber also ich könnte das gar nicht.

00:07:37: Auf keinen Fall.

00:07:38: Darfst du darüber sprechen, was für ein Projekt das ist, wo du gerade dabei bist und wie es dazu gekommen ist?

00:07:44: Also ich mache Sensitivity Reading, um eine möglichst realistische Darstellung von Transfiguren zu machen.

00:07:51: Und zwar nicht nur in Filmen, sondern auch in Medien.

00:07:53: Die Darstellung von queeren Figuren oder von Transfiguren ist jetzt nicht nur in Film und Fernsehen spielt das eine Rolle, sondern auch in den Medien.

00:08:01: Und da geht es ja sehr häufig auch um die... korrekten Begriffe, dass das dort nicht irgendwelche problematischen Begriffe immer wieder wiederholt werden, die dann weiter noch ja auch gerade junge Leute vielleicht verunsichern.

00:08:16: Und deshalb mache ich diese Tätigkeit und arbeite sehr viel auch mit Medien, mit Presse, mit Redaktionen.

00:08:23: Und da gibt es auch so verschiedene Medienleitfaden, wie man jetzt über Transpersonen berichtet.

00:08:28: Und da gibt es so ein paar problematische Formulierungen.

00:08:34: Ein klassisches Wort ist das, was in den Medien immer wieder, das hat in der letzten Zeit abgenommen, das muss ich dazu sagen, aber was man früher häufig gelesen hat, ist das Wort Geschlechtsumwandlung oder umoperieren oder das Geschlecht wechseln und so weiter.

00:08:49: Und das, also Sprache hat ja Macht und je nachdem welche Terminus ich so benutze, habe ich ja Möglichkeiten, bestimmte Bilder in den Köpfen zu produzieren.

00:09:01: Und Geschlechtsumwandlung ist halt ein Wort oder das Geschlecht wechseln.

00:09:04: Das hört sich so an, als würdest du jetzt irgendwie an Kleiderschrank gehen und dir heute ein neues Outfit irgendwie rausholen.

00:09:10: Und das hat nichts mit Umwandeln oder nichts mit Zauberreihe zu tun, sodass Harry Potter jetzt kommt und irgendwie mit dem Zauberstab schwingt.

00:09:18: Sondern wir sprechen davon einer Geschlechtsangleichung.

00:09:22: Ein Geschlechtsumwandlung klingt so, als wenn ich mir das jetzt aussuche.

00:09:26: Und Geschlechtsangleichung ist der Begriff... der mein Äußeres an das Innere angleicht.

00:09:32: Also ich fühle mich oder ich weiß ja schon immer, wer ich bin eigentlich von Geburt an, bzw.

00:09:37: das kommt dann so in der Pubertät und so, merkt man das dann.

00:09:41: Und irgendwann will man dann das Äußere auch daran anpassen.

00:09:46: Und deshalb sind dann solche Begriffe wie Geschlechtsumwandlung und so weiter problematisch.

00:09:53: Ein anderer Begriff ist das Wort Hebammengeschlecht oder biologisches Geschlecht.

00:09:57: Das ist auch immer eines, was benutzt wird.

00:10:00: Hebammengeschlecht habe ich noch nie gehört.

00:10:02: Habe ich gerade wirklich von dir das allererste

00:10:04: Mal gehört.

00:10:04: Das wird auch nicht mehr so oft benutzt, aber das biologische Geschlecht wird, da wird gerade sehr oft darauf abgestellt, dass man sagt, du bist ja biologisch ein Mann oder biologisch noch eine Frau und so weiter.

00:10:15: Und da kann ich immer sagen... Also es gibt ja Untersuchungen und es gab mal einen Sexualwissenschaftler, der hat gesagt, dass Geschlecht sitzt nicht zwischen den Beinen, sondern zwischen den Ohren.

00:10:27: Und das Gehirn ist auch Biologie.

00:10:29: Also woran will man jetzt biologisch festmachen, was jemand ist und was eine richtigere oder eine bessere Formulierung ist, ist halt das bei Geburt zugewiesene Geschlecht.

00:10:41: Das bedeutet, nicht ich habe mich ja... so einsortiert, sondern der Fehler in Anführungsstrichen wurde ja damals bei Geburt gemacht und zum Beispiel Ärztinnen und so weiter, die dann anhand von äußerlichen Merkmalen festgestellt haben, was du jetzt bist und dir dann entsprechend ein Geschlecht zugewiesen hast.

00:11:02: Das heißt aber nicht, dass das mit deiner Geschlechtsidentität, die du selbst hast, das das übereinstimmt.

00:11:07: Und so ist es halt gerade in den Medien immer wieder wichtig, drauf zu achten, welche Begriffe werden benutzt und so.

00:11:14: Und ich hatte mal mit einem, ich sag jetzt mal keinen Namen, einen großen Fernsehsender, die haben einen Artikel auf ihrer Webseite dann auch veröffentlicht und die haben dann explizit das Wort Geschlechtsumwandlung benutzt.

00:11:27: Und ich habe gesagt, das ist ein Wort, das wir heute nicht mehr so benutzen und das auch irreführend ist ein bisschen.

00:11:33: Und dann haben die gesagt, ja, aber das hat bessere Treffer bei Google.

00:11:38: Und mit solchen Argumenten versuchen die dann ihre Berichte zu machen.

00:11:41: Und dann habe ich gesagt, aber genau das ist ja das, was so verletzend ist für die marginalisierten Minderheiten, die sowieso schon schwierig haben.

00:11:53: Und nur weil Google bessere Treffer liefert, ist das jetzt für mich kein Grund, da es trotzdem nochmal dieses Wort zu wiederholen und diese Personengruppe noch mehr irgendwie ... in Probleme zu treiben.

00:12:07: Und die hatten dich gebucht und haben trotz deiner Expertise sich entschieden, bei dieser Argumentation Google-Treffer-Liste zu bleiben?

00:12:16: Na ja, gebucht ist, es kommt darauf an, also vieles davor, das meiste ist ja eigentlich fast alles ehrenamtlich, was da passiert.

00:12:23: Und das heißt, da kriegst du eine Beratungsanfrage und sagst, wir möchten darunter ein Bericht machen.

00:12:28: Kannst du uns da ein bisschen ein paar Tipps geben?

00:12:30: und dann ... kommt das so aus der ehrenamtlichen Verbandsarbeit.

00:12:35: Meistens, dass du da als Expertin gefragt bist, aber gebucht ist.

00:12:41: jetzt, glaube ich, das falsche Wort.

00:12:42: Verstehe.

00:12:43: Und also du kannst nur deine Tipps geben.

00:12:47: Ob sie die umsetzen, ob sie die anwenden, ist dann noch eine andere Frage.

00:12:51: Ja, Sensitivity Readings oder so Beratung in puncto realistische Darstellungen bestimmter... Menschengruppen oder bestimmter Charaktere viel mehr.

00:13:03: Die würde man sich wirklich häufig wünschen.

00:13:05: Ich finde, dass es was so im deutschen Fernsehen läuft und was da für Charaktere gezeichnet werden, das ist teilweise schon echt Hanebüchen, wo man manchmal denkt, oh man, es ist...

00:13:16: So Klischee übernahmen und so.

00:13:17: Ja, Klischee total,

00:13:20: Klischee fett, triefend, aber auch... diskriminieren, total platt teilweise.

00:13:29: Es gibt ja ganz viele Filme, die jetzt früher, ich sag mal, so in den Siebziger, Achtziger Jahren gedreht wurden, die heute gar nicht mehr so, das könntest du heute so gar nicht mehr drehen.

00:13:37: Nee, ich find's auch immer wieder spannend, wenn man so Filme von früher sieht und Bei manchen denkt so, oh, der ist echt gut gealtert, der funktioniert immer noch.

00:13:47: Und bei anderen, wo man dem Wissen von heute schaut, dann ist das einfach nur so holy effing moly.

00:13:53: So, das geht wirklich

00:13:54: nicht.

00:13:54: Gerade so alte Disney-Filme, so Catoons und so weiter, was da auch häufig für rassistische Narrative immer wieder genährt wurden.

00:14:04: Das war ja in der Vergangenheit auch immer wieder mal Thema.

00:14:06: Aber okay, jetzt noch mal zurück zum Thema Sensitivity-Reading, Beratung usw.

00:14:11: Sag doch mal ein Film oder Filme, bei denen du jetzt vielleicht nicht unbedingt involviert warst oder wo du vielleicht auch gar nicht weißt, ob da irgendjemand involviert war.

00:14:20: Aber ein Film, der mit irgendeiner Form queeren Themen zu tun hat und der das richtig gut gemacht hat.

00:14:28: Also vielleicht fangen wir nochmal bei der Lindenstraße an und ich gebe dir Beispiele.

00:14:33: was dort verändert wurde bei den Filmen.

00:14:36: Also wie das vorher geplant war und wie das später im Endergebnis aussah.

00:14:41: Also bei der Linkenstraße war das beispielsweise so.

00:14:43: Wir waren mehrere Personen, die dort eingeladen wurden für ein Drehbuch-Entwicklungsgespräch oder, ich weiß gar nicht, wie man das nennt, so ein Writing Room oder so.

00:14:54: Und da wurden dann bestimmte Szenen besprochen und es wurde... Also das Spannende fand ich, das habe ich nicht gesagt, das war jemand anders aus der Gruppe.

00:15:03: Die Person in dem Film sollte Elfriede heißen.

00:15:05: Und dann hat jemand gesagt, also wenn man schon die Möglichkeit hat, sich selbst einen Namen auszusuchen, dann würde man, gerade wenn es jetzt auch eine jüngere Person ist, die würde sich wahrscheinlich nicht den Namen Elfriede aussuchen.

00:15:17: Und am Ende hieß die Person im Film oder in der Serie Lindenstraße Sunny und wir haben über eine konkrete Szene gesprochen, wo dann Sunny im Supermarkt am Kühlregal steht und sich da irgendwie einen Joghurt oder Käse oder irgendwas raussucht.

00:15:32: und da kommt ein Typ vorbei und schnaut sie an, ey du blöde Kuh, geh mir mal aus dem Weg.

00:15:37: Und das war dann so dargestellt, als wenn sie sich jetzt total aufregen würde, was soll das denn, was beleidigst du mich?

00:15:43: und dann haben alle, die wir dort waren.

00:15:45: Wir waren, ich glaube, fünf Transpersonen, die dort an dieser Entwicklung beteiligt waren.

00:15:49: haben alle gesagt, jede Transperson würde sich darüber freuen, dass sie jetzt in dem richtigen Geschlecht erkannt wurde.

00:15:57: Sie würde sich nicht beschweren und denen da zurück irgendwie anpumpen.

00:16:00: Und solche Szenen haben die dann nach und nach in der Serie mit eingebaut.

00:16:05: Und das fand ich dann ganz cool, später zu sehen.

00:16:07: Und wenn du die Lindenstraße läufst jetzt nicht mehr, aber die alten Folgen, wenn du da mal reinschaust, ich bin da irgendwo auch mal im Hintergrund ein bisschen durchs Bild gelaufen.

00:16:14: Liebe

00:16:14: Julia, bei aller Lebe, aber ich werde wahrscheinlich jetzt nicht die Lindenstraße... Rückstahl mit ihren zwölf tausend dreihundertfünfeinundneinzig Folgen.

00:16:24: Ich habe noch nie im Leimenleben vorher in Lindenstraße gesehen, aber... Ich musste mich damit beschäftigen.

00:16:30: Ich wusste ganz, um was geht's da eigentlich.

00:16:32: Das ist ein

00:16:32: richtiges Kulturgut.

00:16:34: Also, ja, wirklich.

00:16:35: Ja.

00:16:36: Und ich weiß auch, dass sie sehr viel, sehr gesellschaftskritische Themen dann immer wieder aufgegriffen haben.

00:16:42: Da war ja auch die erste schwule Figur im deutschen Fernsehen, glaube ich, ist dort damals aufgetreten.

00:16:48: Und seitdem war ich irgendwie plötzlich Lindenstraße.

00:16:52: Also als Kind lief das bei, das war irgendwie Sonntagabend, abends, achtzehn Uhr oder so.

00:16:56: Also das habe ich als Kind.

00:16:58: lief das bei uns und meine Kindheitsfreundin war richtig Lindenstraße-Fan und in Köln gab es halt, konnte man das Set irgendwie... und da waren wir als Kindermal mit unseren Müttern.

00:17:09: Das war dann auch ganz lustig.

00:17:12: Die Lindenstraße ist mir wohl auch die Thematik, dass durchaus gesellschaftsrelevante Themen in der Lindenstraße als erstes sozusagen behandelt wurden.

00:17:23: Das war echt so.

00:17:24: Da ging es ...

00:17:25: War sehr fortschrittlich zu der Zeit.

00:17:27: Letztlich

00:17:27: schon.

00:17:28: Dann ein anderer Film, bei dem ich auch mitgewirkt habe, war dieser Berlinale Film.

00:17:34: bis ans Ende der Nacht, heißt er.

00:17:36: Und da war eine Transfrau, die mal mit einem Polizisten zusammen war.

00:17:43: Und jetzt war sie aus verschiedenen Gründen im Gefängnis und kommt jetzt wieder raus, um mit diesen Polizisten zusammenzuarbeiten, weil sie da irgendeinen Drogendealer aufliegen lassen wollten.

00:17:53: Sie hatte ganz viel Insiderwissen.

00:17:55: Und das war dann so, als ich das Drehbuch bekommen habe.

00:17:58: Und ich fand das Drehbuch toll.

00:18:00: Aber ... So mit der Zeit habe ich festgestellt, sie ist immer so die Figur, die hinterherrennt.

00:18:07: Ja, so eine Opferfigur auch irgendwie.

00:18:10: Mir war es wichtig, dass sie dann am Ende auch als die Starke dargestellt wird.

00:18:15: Weil der Polizist hatte mit ihr eigentlich mal eine Beziehung, als sie noch an der männlichen Rolle gelebt hat.

00:18:24: Oder eine Affäre.

00:18:24: Und kommt jetzt überhaupt nicht damit klar, dass sie jetzt eine Frau ist.

00:18:29: er hadert so damit.

00:18:30: Und dann habe ich gesagt, sie ist ja in ihrer Selbstfindungsphase zehnmal weiter als er.

00:18:35: Warum wird sie dann jetzt so dargestellt?

00:18:37: Und er ist so, also irgendwie müssten wir das ein bisschen drehen und sie ein bisschen als die starke, als die selbstbewusstere darstellen, weil sie genau weiß, wer sie ist, was sie möchte.

00:18:49: Und der andere, dieser Polizist ist so in dieser Phase der Unsicherheit und so weiter.

00:18:56: Das haben wir dann ein bisschen angepasst.

00:18:59: Und meine erste Frage war auch direkt, als diese Person aus dem Gefängnis kommen sollte.

00:19:04: Hab ich gefragt, an welchem Gefängnis ist die denn eigentlich?

00:19:06: Und dann sagt der Drehbuchautor zu mir.

00:19:09: Ja, darüber kann ich auch richtig darüber nachgedacht.

00:19:11: Ist sie jetzt in einem Männergefängnis oder in einem Frauengefängnis?

00:19:14: In welcher Phase der Transition befindet sie sich jetzt eigentlich?

00:19:18: und so weiter?

00:19:19: Und so trägt das dann dazu bei, dass diese Figur möglichst realistisch am Ende dargestellt wurde.

00:19:25: Und die Person, die die Figur gespielt hat, am Ende hat auch einen Bären auf der Bellinale gewonnen.

00:19:30: Und das war so mein persönliches Highlight damals.

00:19:34: Es war richtig... Und dann geht sie nach vorne und ich habe mich gefühlt wie bei der Oscar Verleihung.

00:19:39: Du läufst über den roten Teppich, überall links und rechts, Blitzlicht, Gewitter.

00:19:43: Und dann gibt es halt die Preisverleihung und die Person, die gewinnt, geht nach vorne und dann halten die ja so eine Lollardazio, ich danke XYZ.

00:19:54: Und dann vielen Dank an Julia, dass du diese Figur so möglich gemacht hast, dass sie so dargestellt ist.

00:20:03: Krieg ich jetzt noch Gänsehaut und das war echt ein schöner

00:20:06: Moment.

00:20:06: Auch dein Preis.

00:20:06: Ja, richtig schön.

00:20:08: Ja.

00:20:09: Ja, und letztes Jahr habe ich an einem Film mitgewirkt, der heißt Ungeschminkt.

00:20:13: Er spielt mit Adela Neuhauser.

00:20:15: Adela Neuhauser ist bekannt aus dem Tatort, Tatort Wien.

00:20:20: Und sie sollte eine ältere Transperson spielen, die ... Vor, ich sag mal, dreißig Jahren irgendwie die Transition gemacht hat, dass Elternhaus sehr dramatisch damals verlassen hat.

00:20:32: Und jetzt sind die Eltern verstorben und sie erbt.

00:20:35: Und deshalb fährt sie wieder in ihre alte Heimat und trifft dort auf alte Bekannte, alte Leute, die sie nicht mögen, wo sie auch viel Diskriminierung und so weiter erlebt.

00:20:47: Und da geht's... Darum sehr viel aufzuarbeiten von früher.

00:20:53: und sie trifft ihren besten Freund wieder.

00:20:56: Und da sind auch sehr viele Szenen, die total plakativ dargestellt wurden.

00:21:01: Anfangs.

00:21:02: Zum Beispiel bei einer Szene, sie leitet selbst so eine Beratungsstelle, so eine Art Selbsthilfegruppe.

00:21:09: Und dort hält sie vorne einen Vortrag mit Bima und da werden Fotos von Operationen gezeigt.

00:21:16: Dann habe ich gesagt, warum müssten das jetzt Fotos von Operationen sein?

00:21:19: Warum kann man das nicht einfach, ich sag mal ein bisschen seriöser darstellen, warum muss es so plakativ sein wieder und so auf Körperteile fixiert?

00:21:28: Und dann sagt der Regisseur zu mir, Julia, was hast du, was wär denn dein Vorschlag?

00:21:32: Dann habe ich gesagt, ich würde jetzt hier, keine Ahnung, so eine Art Sitzkreis oder mit den Leuten ins Gespräch kommen und keine Ahnung, einfach einen kurzen Vortrag, eine kurze Rede unzuhalten.

00:21:43: Dann hat er mir gesagt, ich soll ihm bitte einen Vorschlag machen, was er reinschreiben soll.

00:21:48: Und ich habe dann, das war ein größerer Abschnitt.

00:21:51: Und die haben den eins zu eins übernommen.

00:21:54: Und Adele Neuhauser hat das eins zu eins auswendig gelernt.

00:21:58: Und genau so ist das dann im Film später auch aufgenommen worden.

00:22:03: Wenn du da solche Möglichkeiten hast, so mitzuwirken, dass deine Sätze eins zu eins wiedergegeben werden und dass das Ganze dann eine seriöse, authentischere Darstellung bekommt, das macht dich dann schon ein bisschen stolz, das erfüllt dich mit Freude und du weißt, dass du etwas dazu beitragen kannst, um Diskriminierung noch irgendwie abzudauen.

00:22:25: Und das war, es ist ein ganz, ganz toller Film geworden, der sehr emotional geworden ist und... kann ich nur empfehlen.

00:22:33: Und das ist mal eine andere Geschichte.

00:22:36: Also ganz früher war das immer so sehr klischeebehafte Transfrauen.

00:22:39: Insbesondere waren dann oftmals die entweder die Prostitierten oder die Mordopfer.

00:22:43: Und mir geht es ja dann darum, möglichst seriös das alles darzustellen.

00:22:49: Und da sieht man immer so Geschichten von der Transition, wie die Leute begleitet werden und so.

00:22:54: Und hier ist jetzt eine Rückschau.

00:22:57: Die Frau hat jetzt schon lange Zeit ihre Transition hinter sich.

00:23:01: Und jetzt geht es darum, alles von früher so aufzuarbeiten.

00:23:04: Und es wird jetzt mit ihrem Leben von vor dreißig Jahren noch mal konfrontiert.

00:23:08: Und also es war noch mal eine ganz andere Geschichte als sonst.

00:23:12: Und natürlich gibt es da immer die Kritik, warum wird sie nicht von der Transfrau gespielt?

00:23:17: Weil da gibt es ja oft die Kritik, dass man sagt, Transpersonen sollen von Trans SchauspielerInnen gespielt werden.

00:23:24: und da ist die Herausforderung, erstmal musst du eine Person finden, die in dem Alter ist und dann auch noch Schauspieler.

00:23:32: Und da gibt's mehrere Faktoren, weil ich hab das am Anfang auch sehr kritisiert, aber als ich dann die Adele Neuhauser selber persönlich kennengelernt habe und mit ihr gesprochen habe, hat sie mir dann auch gesagt, sie hat selber ein Thema mit, sie hat mal eine Stimmbandoperation gemacht, weil sie eine tiefe Stimme hat und mit diesen Geschlechterrollen irgendwie häufig auch gehadert hat und so.

00:23:54: Und als ich dann dieses persönliche Gespräch mit ihr hatte, danach war meine Zweifel eigentlich weg, dann hab ich gedacht, sie ist eigentlich genau die richtige Person, Atmosphäre auch irgendwie transportieren kann und auch das richtige Publikum irgendwie adressiert.

00:24:07: Und das fand ich dann sehr stark, wie sie das auch gespielt hat.

00:24:12: Ich würde aber auch denken, dass, wenn du eine Trans Schauspielerin oder ein Trans Schauspieler bist und immer nur reduziert wirst, darauf irgendwelche, also um das Thema Trans herum gedrehten Rollen zu spielen.

00:24:22: Also wenn ich mich jetzt in die Lage versetze, dass würde mich dann schon stören.

00:24:27: wenn ich so reduziert würde.

00:24:29: Also, ich glaube, da gibt es unterschiedliche Perspektiven, wie man draufschauen kann.

00:24:33: Ich denke, solange auch Trans Schauspielerinnen irgendwie mit quasi im Casting Pool sind, und wenn man sich dann halt für die Person entscheidet, dies ... aus der Sicht der Regie, der Kamera oder wie auch immer am besten verkörpern kann, solange aber zumindest auch mit in Erwägung gezogen wird, dass es durchaus auch von einer Transperson gespielt werden könnte, dass das nicht ausgeschlossen wird.

00:24:56: Ja.

00:24:57: Aber das wäre ja auch, ja, es gibt ja auch andere, also das hört man ja auch total oft immer wieder von Schauspielerinnen, vielleicht die türkischstämmigen Background haben, dass sie eigentlich immer nur Rollenangebote bekommen von irgendwie ... dem Knacki oder der Putzfrau oder halt auch so total ätzende Klischee rollen und halt nicht die Kommissarinnen sind oder nicht die Ärztinnen oder nicht die Ermittlerinnen.

00:25:20: Also das ändert sich ja.

00:25:21: Gott sei Dank auch, pöva pöva, wahrscheinlich auch wieder dank irgendwelcher Sensitivity-Reader oder auch hoffentlich dadurch, dass immer mehr Menschen mit so einer Geschichte auch in... entscheidenden Positionen landen und sagen, wir machen jetzt nicht die zwölfte Geschichte über Ali, den Gemüseverkäufer, sondern wir machen jetzt die Geschichte über Ali, den, keine Ahnung, den promovierenden Sozial, keine Ahnung warst du, das ist mega wichtig.

00:25:46: Eine Frage, die ich gerade zu dieser Geschichte von dem letzten Film, den du damit begleitet hast, hatte, hatte überhaupt nichts eigentlich mit dem Skript zu tun, aber ich habe mich gerade gefragt, wie das rechtlich ist, wenn dieser Charakter von... der Adele, wie auch immer sie heißt.

00:26:01: Wenn die vor dreißig Jahren, sagen wir mal, Hansi Meier hieß.

00:26:04: Und jetzt heißt sie Gabriele Meier.

00:26:07: Aber in einem Testament steht, dass das Haus und die Ländereien an Hansi Meier gehen.

00:26:13: Wie ist das rechtlich, wenn man ja dann nicht mehr Hansi Meier ist, sondern Gabriele Meier?

00:26:17: Es ist ja dieselbe Person.

00:26:20: Und sie kann das ja auch durch Gerichtsurteile und so weiter nachweisen.

00:26:24: Und damit geht es also... rechtlich, hast du ja einen Übergang, wie heißt das, rechtlichen Übergang oder so heißt das, glaube ich, dass das, also wenn du heiratest, hast du ja auch einen anderen Nachnamen, bist ja trotzdem auch die gleiche Person.

00:26:39: Ja, fair, guter Vergleich.

00:26:42: Du musst nachvollziehen können, dass das ein und dieselbe Person ist.

00:26:46: Und da gibt es auch eine gute Szene zu im Film, die kommt dann zu dem Anwalt und der stellt dann fest und ja, sagt dann auch... häufiger her und sie geht dann so ein bisschen in den Protest.

00:26:57: Das war auch so ein einschneidendes Szene, die ich wichtig fand, wo ich gesagt habe, sie soll nicht einfach alles über sich hergehen lassen.

00:27:04: Sie hat jetzt so lange für ihre richtige Anrede gekämpft und wenn sie da sitzt und er spricht ständig von her, dann würde ich jetzt aber lautstark protestieren und sagen, nein, Frau.

00:27:18: Das haben wir dann auch so in die Szene mit eingebaut und also auch da war es mir wichtig, dass sie nicht nur alles über sich hergehen lässt, sondern dass sie auch da die Starke ist und auch so ein bisschen, ja, man wird auch so ein bisschen rebellisch irgendwie manchmal und das haben wir dann dort auch ins Drehbuch übernommen.

00:27:34: Cool.

00:27:35: Also warum Sensitivity Reading wichtig ist, ist einfach, dass gerade auch für junge Leute, die sich an an seriöser Berichterstattung orientieren wollen, die werden gerade, wenn es so um reiserische Artikel geht, jetzt auch in der Presse und so weiter, dass ihnen das das Coming Out erschwert und es verhindert, dass noch nach wie vor vorherrschende Vorurteile oder problematische Narrative und auch so Wissensdefizite, dass das abgebaut wird.

00:28:05: Und deshalb gibt es Sensitivity Reading um das richtig zu stellen, um darüber aufzuklären und damit Betroffene Gruppen sich angemessen repräsentiert fühlen und auch mehr Sicherheit bekommen, dass das in Ordnung ist.

00:28:22: Und deshalb ist es so wichtig, gerade in den Medien auch die Sichtbarkeit von vielen Menschen seriös darzustellen.

00:28:31: Ja.

00:28:32: Und ich würde auf jeden Fall noch ein paar von den Filmen und auch so ein Leitfaden, wie man jetzt gute Berichterstattung über das Thema Trans- und geschlechtliche Vielfalt, wie man das gut hinbekommen kann, wie das gut gelingen kann, würde ich auf jeden Fall in den Steady Newsletter reinpacken und dort könnt ihr euch auf jeden Fall noch weiter informieren, was es für problematische Narrative gibt, wie man es besser machen kann, worauf man am besten achten könnte.

00:28:59: und da gibt es mittlerweile viele gute Sensitivität, Readerinnen, die das heute ganz gut machen.

00:29:07: Da freue ich mich drüber.

00:29:08: Prima.

00:29:09: Ja, klingt super.

00:29:10: Bin ich auch ganz gespannt.

00:29:11: Danke dir.

00:29:20: Die Vergangenheit ruft.

00:29:23: Bei Unboxing bekommen wir immer einen Anruf und erfahren etwas über eine Person der Geschichte, die den Weg für transinter- und nichtbinäre Menschen geebnet hat.

00:29:33: Und wir freuen uns, dass Clara von der Lilly Elbe Bibliothek wieder ... in ihrem Archiv nach einer spannenden Persönlichkeit gesucht hat und zwar Hertha Wint.

00:29:45: Hallo, ich bin die Clara von der Lilliebibliothek und ich habe euch die Geschichte von Hertha Wint mitgebracht.

00:29:52: Sie wurde aus dem Duktichshafen am Rhein geboren und lebte bis ins Jahr zweiundsiebzig.

00:29:59: Wir sollten sie unbedingt kennenlernen, weil ihr Leben ein besonderes ist.

00:30:02: Sie war Zeitgenossin der bekannteren Person wie Dora Richter und Eli Elbe.

00:30:06: Auch Hertha Wint ist eine Transpioniererin, aber ihre Schichte spielt nicht in Berlin.

00:30:10: Und vor allem ist spannend, dass sie es geschafft hat, ihre Transition während der Nazi-Zeit voranzubringen.

00:30:16: Ein bisschen zu ihm leben.

00:30:18: Hertha Wint wird in Ludwigshafen am Rhein geboren.

00:30:22: Die Familie arbeitet in der Werkstilung der BRSF.

00:30:25: Schön als Kind interessiert sie sich für Sachen, die Ehrmädchen zugeschrieben werden, wie Handarbeiten und Puppen.

00:30:29: Sie versucht dann später aber scheinbar ein richtiger Junge zu werden.

00:30:33: Denn so ab dem Alter von dreizehn Jahren macht sie viel Sport.

00:30:36: Sie schwimmt, macht Kraftsport, geht zum Ringen.

00:30:39: Nach der Schule beginnt sie mit einer kaufmännischen Lehre, geht dann aber nix und fünfzehn freiwillig zur Kriegsmarine.

00:30:45: Sie sagt, dass die Uniform ihrer seelischen Einstellung entsprechend gefällt.

00:30:50: Dort bleibt sie bis zum Kriegsende oder eigentlich doch sogar noch ein bisschen länger.

00:30:53: In dieser Zeit macht sie auch ihre ersten sexuellen Erfahrungen.

00:30:56: Mit einem Mann und einer Frau.

00:30:58: Und sie geht zum ersten Mal als Frau spazieren.

00:31:00: Danach beginnt sie ein eher bürgerliches Leben.

00:31:02: Sie heiratet und wird Vater von zwei Kindern.

00:31:05: Nach einigen Jahren scheint aber ihr Tranz sein, mit aller Macht wiederzukommen.

00:31:09: Als sie in den neunzehnzehn zwanzig länger krank ist, denkt sie viel daran.

00:31:12: Und er trägt kaum ihre Situation.

00:31:14: Beinahe nimmt sie sich ihr Leben.

00:31:16: Aber die Ehefrau unterstützt sie.

00:31:17: Und dann wenden sie sich die beiden an Magneth Höchstfeld in Berlin.

00:31:21: Der schickt sie ... zu Wald an Herr Therise in Frankfurt, wo sie wahrscheinlich eine erste Hormonbehandlung erhält.

00:31:26: Und aus des einunddreißig wird bei ihr eine erste Geschlechtsangleichen-Operation durchgeführt.

00:31:31: Von Max Flesch Tevesius in Frankfurt.

00:31:33: Und aus desunddreißig ist dabei eine Zäsur, als die Nazis an die Macht kommen.

00:31:37: Sie verliert ihre Behandlerinnen und weitere geplanten Operationen können nicht durchgeführt werden.

00:31:43: Stattdessen landet sie durch die Intrige eines Bekannten zwangsweise in der Psychiatrie.

00:31:48: Zum Glück kommt sie nach einigen Monaten wieder raus.

00:31:50: Beinahe wäre sie dort aber wieder gelandet.

00:31:52: Dem kam sie nur knapp entgehen.

00:31:54: Und dort, in Frankental, haben später Euthanasie-Mordestadt gefunden.

00:31:59: Herter Wind flüchtet nach Frankfurt.

00:32:01: Und aus der Sechsten Dreißig gelingt er in der Namensänderung.

00:32:03: Zunächst auf den Namen Toni.

00:32:05: Sie durfte nur zwischen den neutralen Namen Gerd und Toni wählen.

00:32:08: Und so unglaublich es klingt, dass hat neununddreißig und neunundvierzig werden an ihr weitere Geschlechtsangleichen Operationen durchgeführt.

00:32:15: In Mannheim und Frankfurt.

00:32:16: In neunundvierzig wird sie ausgebombend.

00:32:18: und lebt nach dem Krieg in einer Kleinwohnung in Mannheim.

00:32:21: Ihr Lebenstrauma als die Zwangspsychiatrisierung von der Zeit dreiunddreißig bis vierunddreißig.

00:32:26: Aber eine Rehabilitierung gelingt ja nicht.

00:32:28: Sie schafft es aber, ihren Namen nun auf ihren Wunschnamen zu ändern.

00:32:32: Hertha Elisabeth.

00:32:34: Mitte der fünfziger Jahre, als die Geschichte der Transfrau Christine Jorgensen um die Welt geht, macht Hertha Wind ihr Leben auch öffentlich.

00:32:41: Es erscheint viele Artikel in der nationalen und internationalen Presse.

00:32:46: Sie wollte auch eine Autobiograph hier veröffentlichen, aber ihre Ex-Frau verhinderte es gerichtlich.

00:32:51: In Mannheim lebt sie noch bis ins Jahr zweiundsiebzig und stirbt kurz vor ihrem siebzigsten Geburtstag.

00:32:56: Für die Community ist sicherlich spannend, dass Hertha damals in der Presse war.

00:33:00: Bestimmt hat sie einigen Transpersonen Mut gemacht, ihren Weg zu gehen.

00:33:04: Sie muss unglaublich hartnäckig gewesen sein, um all das, was sie geschafft hat, in den widrigsten Zeiten zu erreichen.

00:33:10: Und das finde ich auch persönlich so spannend.

00:33:12: Transitionen während der NS-Zeit.

00:33:14: Das ist schon echt was Besonderes.

00:33:17: Ja, also was mich da direkt geträgert hat, war, dass sie wollte ein richtiger Junge werden.

00:33:24: Und das beobachte ich bei vielen, mit denen ich auch Beratungsarbeit gemacht habe.

00:33:30: Und das war auch bei mir selber.

00:33:31: Ich war selber bei der Bundeswehr und man versucht selber irgendwie so maskulieren wie möglich, irgendwie der coole Kerl zu sein.

00:33:38: Und also das... ist, glaube ich, so eine ... weil die Gesellschaft, die das so spiegelt, wie Menschen oder wie Geschlechter zu sein haben, versucht man die auch möglichst ... bestmöglich irgendwie zu erfüllen.

00:33:50: Und das hat mich so sehr ... ein bisschen so an meiner eigene Zeit erinnert.

00:33:55: So, die Erwartungshaltung zu performen, ne?

00:33:58: Genau.

00:33:59: Das ist Herr Wehm.

00:34:00: Und auch diese Intrige von einem Bekannten, worauf wenn sie in die Psychiatrie musste.

00:34:06: Auch das sind so ... Elemente, die ich aus meiner Zeit so ein bisschen kenne, wo man, ich sag mal, schwierige problematische Gerüchte in die Welt gesetzt hat und du dann plötzlich als psychisch krank eingestuft wirst und so weiter.

00:34:22: und das ist, ich glaube, dass es vielen so geht.

00:34:27: Ich glaube, dass so ein familiären Umfeld heute, dass es da bei den meisten besser ist, weil die Gesellschaft aufgeklärter ist, aber Ich glaube, es gibt immer noch ganz viele, die dieses psychisch-kranke Narrativ bedienen und der Rechtsruck wird ja auch gefühlt immer größer und dass das wieder zunehmen wird.

00:34:48: Aber ich glaube, dass dieses Gefühl so denunziert zu werden und das hintenrum solche Intrigen laufen, ich glaube, das kennen ganz viele.

00:34:57: Es ist wirklich total furchtbar und brutal.

00:35:01: Ich habe gerade gedacht, dass das Wort hartnäckig auf jeden Fall eine Vokabel ist, die sich hier durch alle unsere Charaktere zieht.

00:35:08: Also alle vier, die wir bisher gehört haben, waren wirklich extrem hartnäckig dabei, sich für sich einzusetzen.

00:35:15: Und das finde ich wahnsinnig imposant.

00:35:18: Und ein bisschen schmunzeln musste ich.

00:35:20: Vielleicht ist das auch nicht das richtige Wort, aber irgendwie ... Die Drehe und Angelscheibe Magnus Hirschfeld, also ohne Magnus Hirschfeld wäre echt so gar nix gelaufen in der Zeit.

00:35:31: Und ja, dass der einfach immer auch mit auf der Matscheibe erscheint, wenn es um diese Pionierinnen und Pioniere geht.

00:35:42: Was ich auch gut fand ist, dass sie sich dann, oder da sind wir jetzt wieder beim Thema, welche Rolle hatten die Medien, dass sie sich halt von Christine Jorgensen, dass sie aus den Medien davon erfahren hat und dadurch sich inspiriert gefühlt hat.

00:35:55: ihre Geschichte ebenfalls irgendwie öffentlich zu machen.

00:35:57: Stimmt.

00:35:58: Ja.

00:35:59: Welche Vorbildfunktionen Medien in dieser Sache haben.

00:36:02: Und wenn man sich jetzt mal überlegt, Christine Jorgensen wurde damals gefeiert.

00:36:06: Ja.

00:36:06: Und heute, sobald irgendjemand einen Trans-Coming-Out hat, dann wird das in den Medien teilweise so zerrissen.

00:36:11: Also da sieht man auch, wie sich die Gesellschaft sehr stark verändert hat.

00:36:15: Ich habe mal so eine kleine Mini-Doku über die Jorgensen gesehen und fand das auch total spannend, wie die ist ja wirklich wie so ein Filmstar.

00:36:24: wieder empfangen worden.

00:36:26: Also den, ich such den mal, den würde ich auf jeden Fall auch mit in unseren Study-Newsletter packen.

00:36:32: Den fand ich wirklich auch sehr spannend.

00:36:33: Sehr gut.

00:36:35: Danke an Clara für die tollen Persönlichkeiten, die sie uns immer wieder liefert.

00:36:39: Und schaut euch alle die Lilly Elbe Bibliotheken.

00:36:46: Also, wir sind nun in der Kategorie der Community Frage.

00:36:50: Das bedeutet, ihr habt jeweils die Möglichkeit, uns bzw.

00:36:55: mir über Instagram zu schreiben oder per E-Mail, wenn euch bestimmte Themen besonders interessieren.

00:37:01: Und zuletzt hatte ich aber jetzt auf einer Veranstaltung in Hannover und Dort hat dann jemand aus dem Publikum es auf mich zugekommen und hat mich gefragt, wie teuer denn so eine Transition insgesamt ist, was das kostet, was man selbst für Kosten hat, was vielleicht diese ganze Krankengassengeschichte kostet und so weiter.

00:37:22: Und vielleicht möchtest du mal schätzen?

00:37:26: Boah, ich habe natürlich gerade sofort schossen mir irgendwie eine Zahl durch den Kopf.

00:37:29: Also ich würde jetzt insgesamt sowohl das, was von den Krankenkassen als auch vielleicht von sich selber, ich denke jetzt... Irgendwie zwischen zwanzig und dreißigtausend Euro vielleicht?

00:37:40: Ja, ich würde glaube ich sagen noch mehr.

00:37:42: Also es kommt, es kommt immer ein bisschen drauf an.

00:37:47: Du musst ja unterscheiden, Hormontherapie, Psychotherapie, dann die ganzen Operationen, die chirurgischen Maßnahmen und alle haben ja unterschiedlichen, unterschiedlichen Anteil.

00:37:59: Also schätzungsweise, ich habe das mal mit GPD so alles gepromptet und bin dann darauf gekommen, dass, wenn man jetzt davon ausgeht, dass ein ganzes Leben, man fängt jetzt mit, im fünften Lebensjahr an, mit Psychotherapie, dann vielleicht die ersten Probertezblocker und so weiter, also von einer Dauer von fünf und sechzig Jahren, dann bist du alleine bei den Medikamenten, sagen wir mal, bei zwehundertfünfzig, vielleicht bis siebenhundert Euro im Jahr, so Maximum, dann bist du da schon, wenn du fünf und sechzig Jahre rechnest, bei sechzehntausend, zwehundertfünfzig bis fünfundvierzichttausend Euro ungefähr.

00:38:36: Dann hast du noch Hormonkontrollen, die du ab und zu mal machen musst, weil du ja regelmäßig zur Kontrolle gehst, die ärztliche Begleitung und so weiter.

00:38:45: Das kommt dann auch noch dazu.

00:38:47: Dann bei den Operationen.

00:38:49: werden die meisten OPs eigentlich von der Krankenkasse übernommen, aber auch die sind ja schon teuer, wenn du jetzt bei einer Transfrau eine Brust-OP zum Beispiel, eine Brustvergrößerung hast.

00:38:58: Da legst du ja schon, also fängt ja bei fünftausend oder noch mehr an, bei bis zu zehn oder fünfzehntausend, dann hast du bei Transfrauen noch die sogenannte Euchectomie, das heißt dann die Hodenentfernung, die Genitalangleichung, da bist du bei, ich sag mal im Rahmen von zehn bis zwanzigtausend, Und was von den Krankenkassen auf jeden Fall bisher nicht übernommen wird, ist die sogenannte Gesichtsfeminisierung.

00:39:25: Da kannst du locker schon bei dreißigtausend sein.

00:39:28: Gesichtsfeminisierung ist für Transfrauen aber Gesichtsmaskulinisierung?

00:39:32: Gibt es auch, ist viel seltener, aber ich kenne einige Chirurg-Innen, die auch Maskulinisierungen für Transmänner anbieten.

00:39:43: Also

00:39:43: das bedeutet einfach, die heißen das noch mal, wie eine Schönheits-OP.

00:39:48: Das ist ein chirurgischer Eingriff und von den Krankenkassen wird das als Schönheits-OP gewertet.

00:39:54: Aber man argumentiert dann immer, nee, hier geht es nicht um Schönheits-OP, hier geht es darum, um ein Sicherheitsgefühl, dass man auf der Straße nicht als trans identifiziert wird und dann möglicherweise irgendwie zusammengeschlagen wird und so weiter.

00:40:09: Und aber das wird bisher von den meisten Gerichten irgendwie nicht akzeptiert und die Krankenkassen lehnen das ab.

00:40:18: Auf jeden Fall insgesamt kommen wir dann über die Lebenszeit von fünfzehn bis achtzig Jahren bis zu bei, sagen wir mal, fünfzigtausend bis hundertdreißigtausend Euro ungefähr.

00:40:29: Krass.

00:40:30: So, das sind so.

00:40:31: ungefähre Werte.

00:40:32: Das kann man nicht pauschalisieren, ist bei jeder Person auch individuell und das sind jetzt auch nur Zahlen, wenn jemand die komplette Transitionen macht mit allen chirurgischen Maßnahmen und so weiter.

00:40:43: Das ist ja auch nicht bei allen der Fall.

00:40:46: Deshalb kann man das gar nicht so genau eingrenzen, aber das wären so glaube ich so ganz grobe Richtwerte.

00:40:51: Und ich fand das eine ganz spannende Frage und habe mich selber auch noch nie so damit beschäftigt, aber das wäre glaube ich so die Größenordnung, die halbwegs realistisch wäre.

00:41:00: Das bedeutet in Ländern, in denen das von der Krankenkasse nicht unterstützt wird, was Menschen, die eine geschlechtsangleichende OP z.B.

00:41:08: dann auch mit einbeziehen in ihre Transition, was die erst mal zusammen haben müssen, um das zu bewältigen.

00:41:15: Spannende Frage habe ich auch noch nie drüber nachgedacht.

00:41:18: Und ich habe aber auch gleichzeitig überlegt, was bedeutet das dann für unser Gesundheitssystem?

00:41:23: Also unser Gesundheitssystem ist ja solidarisch.

00:41:26: Und da gibt es mit Sicherheit irgendwelche Leute, die dann sagen, ja, das wird jetzt alles von meinen Steuergeldern bezahlt und so weiter.

00:41:32: Und dann habe ich das mal verglichen mit anderen.

00:41:34: Also wenn du Typ eins Diabetes hast, beispielsweise ab dem Jugendalter, dann hat das über deine ganze Lebenszeit für USACH das Kosten von bis zu drei hunderttausend Euro.

00:41:44: Also ist das für eine Transition, glaube ich, vergleichsweise?

00:41:47: etwas geringer.

00:41:48: Gutes Argument, wenn mal jemand blöd kommt.

00:41:51: Das hat mich einfach mal interessiert.

00:41:53: Danke für diese Frage.

00:41:55: Ja, fand ich spannend.

00:41:56: Schön, dass du die mitgebracht hast.

00:42:04: Okay, ich habe dir ein Objekt mitgebracht.

00:42:07: Und wie immer bitte ich dich, wenn du die E-Mail geöffnet hast, darin wirst du ein Foto finden, das Foto einmal für alle zu beschreiben.

00:42:15: Da ist was.

00:42:17: Eine ... eine Fahne.

00:42:20: Eine

00:42:20: ...

00:42:21: Aber was ist da drauf?

00:42:22: Also ich sehe eine Fahne, die an einem Mast hängt, vor einem schönen blauen Himmel, Hintergrund.

00:42:29: Und da drauf sehe ich ein, soll das ein Vulkan darstellen?

00:42:34: Das sind, also es ist ein Symbol, was spitzt nach vorne, also ich würde mal fast sagen, das sieht aus wie ein Berg aus drei verschiedenen Farben.

00:42:42: Weiß, schwarz und ist das ein Orange, so ein Okka oder sowas?

00:42:47: Jetzt musst du mich aufklären.

00:42:48: Mach ich.

00:42:49: Das ist die Flagge des kleinen, karibischen Inselstaats St.

00:42:53: Lucia.

00:42:54: Kanntest du nicht?

00:42:55: Ja, doch.

00:42:56: Ich war schon zehnmal dort.

00:43:00: Ich natürlich auch nicht.

00:43:02: Schon alleine deswegen.

00:43:03: Der Staat ist so klein, dass in ihm nur hundertachtundachtzigtausend EinwohnerInnen leben.

00:43:09: Also es ist wirklich ein sehr kleiner Inselstaat, volles Brettkolonialgeschichte.

00:43:15: Das Staatsoberhaupt... ist König Charles of England.

00:43:19: Ach ja.

00:43:20: Also alles etwas schräg und ein bisschen befremdlich, aber auch, und deswegen habe ich die Flagge mitgebracht, weil dort bis vor Kurzem ein Gesetz in Kraft war, das Homosexualität noch als Sodomie betrachtete.

00:43:34: Und Ende Juli hob der oberste Gerichtshof der Ost Karibik dieses Gesetz aus der Kolonialzeit als verfassungswidrig auf.

00:43:44: Kurz nach diesem Urteil, also diesem historischen Urteil, wurde auf der Insel zum ersten Mal öffentlich die Progress Pride Flagge gehisst.

00:43:53: Und die queere Community der Insel hofft nun, dass diese neue rechtliche Lage auch einen neuen Anfang in kultureller Hinsicht darstellt.

00:44:03: Und ich weiß nicht, ich fand die Info total toll und auch hoffnungsvoll, weil es gerade einfach so wahnsinnig wenig positive Nachrichten gibt, aber auch Ich wollte dir davon schon längst erzählt haben.

00:44:15: Ich war doch während des Pride in Amsterdam im Juli.

00:44:19: Und da habe ich ein Kunstprojekt gesehen, das mir echt ... Ja, das hat mir wirklich eine Gänsehaut gemacht.

00:44:25: Und das erzähle ich jetzt nicht nur dir, sondern auch unseren Hörnern.

00:44:29: Da war nämlich dieses tolle Projekt im öffentlichen Raum ausgestellt, das heißt Zero Flag Project.

00:44:35: Und aufgestellt waren Flaggen.

00:44:37: Also flacken all jener Länder, in denen insbesondere Homosexualität noch unter Strafe steht.

00:44:44: Also bis hin zur Todesstrafe.

00:44:46: Und die Flaggen waren rechts und links wie so an einem Weg aufgestellt, dass man wie durch so ein Korridor durchlaufen konnte.

00:44:53: Und an jeder Flagge befand sich ein Schild mit den Infos, welchen Konsequenzen LGBTQI-Plus-Menschen in diesem jeweiligen Land weiterhin ausgesetzt sind.

00:45:04: Und das war echt, das war einfach eine total intensive Erfahrung, also auch, weil es einfach so mega geballt war.

00:45:11: Umso toller war halt, dass dieses ... Also, während dieses Flaggenprojekt eine Flagge runtergenommen werden konnte, nämlich die von Sant Lucia, also die, die ich dir heute als Objekt mitgebracht habe.

00:45:24: Krass.

00:45:24: Warst du dann gerade live dabei, als sie die Flagge runtergenommen haben, oder wie?

00:45:29: Nee, das war ich nicht.

00:45:30: Das habe ich kurz danach.

00:45:32: Das Urteil war am neunzwanzigsten Juli, zwanzigfünfzwanzig.

00:45:35: Krass.

00:45:35: Also, ich habe es ganz knapp verpasst, aber es muss für dieses Projekt, also das heißt auch deswegen Zero Flag Project, weil sie versuchen wollen, wirklich auf Zero Flags runterzukommen.

00:45:44: Also der Titel ist die Zielvorgabe.

00:45:46: Sozusagen.

00:45:47: Und was auch echt cool war, war, dass das mitten im Amsterdamer Museumsplane war.

00:45:52: Also das ist die Region zwischen Rijksmuseum, wo die alten Meister hängen und Van Gogh Museum.

00:45:57: Und dann sind da noch andere Museen, wo wirklich alle Touris die Amsterdam Besuchen hinkommen.

00:46:03: Dementsprechend wurde diese Ausstellung von extrem vielen Leuten gesehen.

00:46:07: Und ich glaube zwangsläufig hat man sich damit auseinandersetzen müssen, weil es wirklich sehr ... Also erst denkt man so, was ist das denn?

00:46:14: Warum hängen hier so viele Flaggen?

00:46:15: Und dann liest man das und kriegt wirklich so regelrecht ein bisschen Beklemmungen.

00:46:21: Mehr dazu wissen möchte.

00:46:22: Es gibt dann natürlich auch eine Website, die heißt zero flag project.nl.

00:46:27: Können wir dann auch in unseren Steady Newsletter reinpacken.

00:46:30: Das machen wir.

00:46:30: Aber ich möchte noch eine Sache anschließen.

00:46:33: Das hat mich einfach sehr nochmal zum Nachdenken über das Thema Reisen gebracht und was das... ... per se für ein privilegiertes Thema ist, reisen zu können.

00:46:43: Also nicht nur, dass man sich das leisten können muss, auf Reise gehen zu können, sondern dass man sich auch sicher sein muss, dass man dort, wo man hinfährt, dass einem dort nichts Böses droht.

00:46:54: Also dass da keine Gefahren herrschen.

00:46:57: Und dass ich mir als Cicero-Frau darüber im Gegensatz zu Personen wie dir zum Beispiel ... deutlich weniger Gedanken machen muss.

00:47:08: Und ab und zu ist so ein kleiner Privilegien-Check mal wieder ganz gut.

00:47:13: Ich wollte dich fragen, ob du den LGBT Gleichstellungsindex kennst.

00:47:20: Also ich kenne mehrere.

00:47:22: Ich kenne zum Beispiel die Weltkarte von ILGA World.

00:47:26: die das dann darstellen, wie die gesetzliche Situation in unterschiedlichen Ländern der Erde aussehen, wo dann auch das mit der Todesstrafe in einigen Ländern visualisiert dargestellt ist und so weiter.

00:47:39: Und es gibt diesen Gleichstellungsindex, es gibt es für Europa.

00:47:42: Also es gibt da unterschiedliche.

00:47:45: Also ich weiß, dass es da sowas gibt.

00:47:46: Und ich weiß für Europa, dass Island glaube ich, Island und Malta immer Platz eins und zwei irgendwie unter sich ausmachen.

00:47:53: Guck ich gleich nochmal drauf, aber vielleicht ... Ganz kurz für die, die das noch nicht wissen, dieser Gleichstellungsindex, von dem ich gerade sprach, aber letztlich auch der von dem Julia gerade sprach, das ist eine Übersicht beziehungsweise ein Ranking der LGBT-freundlichsten Länder der Welt.

00:48:08: Und dafür werden ausgewertet zum Beispiel der aktuelle Status von den LGBT-Rechten, aber auch von Gesetzen und Freiheiten.

00:48:15: Aber es geht auch um die öffentliche Einstellung gegenüber queeren Personen, weil Einstellung und Recht ja nun mal nicht immer deckungsgleich sein müssen.

00:48:24: Und ich mache jetzt gerade nochmal ganz kurz diesen Index auf.

00:48:29: Interessant zum Beispiel, fand ich, ist nach unterschiedlichen Kategorien sortiert, dass der Equality Index, wenn es nach Kontinent geht, dass da nicht Europa oder Nordamerika vorne stehen, sondern Südamerika.

00:48:43: Das fand ich spannend, das hatte ich nicht erwartet, aber nach den Ländern.

00:48:48: sind nach dieser Liste auf den ersten fünf Plätzen an erster Stelle Island, wie du gesagt hast, an zweiter Norwegen, an dritter Uruguay, an vierter Spanien und an fünfter Dänemark und Deutschland liegt auf dem achten Platz.

00:49:02: Und Deutschland ist jetzt, durch die letzte Legislaturperiode haben da Deutschland einen Sprung gemacht und ist zum ersten Mal in den Top Ten.

00:49:09: Ah

00:49:09: ja.

00:49:10: Und die USA liegen im Augenblick auf Platz vierundzwanzig.

00:49:14: Und ganz hinten schlusslicht auf Platz

00:49:20: Ja,

00:49:21: das war das Objekt, was ich heute mitgebracht habe.

00:49:23: Ich habe mal eine Flagge mitgebracht von einem sehr, sehr kleinen Land, das die wenigsten von uns kennen und das gerade Geschichte geschrieben hat.

00:49:31: Und dann lohnt es sich ja auf jeden Fall, dort mal in den Urlaub zu fahren.

00:49:35: Das wäre doch mal

00:49:36: ein

00:49:37: schönes Ziel.

00:49:39: Und ja, mich würde auch interessieren, wie ihr das Thema Reisenhand habt.

00:49:43: Wenn ihr mögt, schreibt uns doch mal dazu, wie ihr euch auf Reisen vorbereitet, was für euch vorrangig wichtig ist.

00:49:52: Den Kontakt hat Julia eben ja schon gesagt.

00:49:54: Also ihr könnt sie über E-Mail erreichen oder über Instagram und über unseren Study-Newsletter könnt ihr natürlich auch mit uns in Kontakt kommen.

00:50:03: Cool.

00:50:04: Vielen, vielen Dank.

00:50:05: Ja, gerne.

00:50:05: Freut mich, dass du das auch so spannend fandest, wie ich.

00:50:08: Ja, ich hab auch gerade schon mal geholt, wo das ist.

00:50:11: Also ...

00:50:12: Caribbean zwischen Barbados und keine

00:50:14: Ahnung wo.

00:50:15: Genau.

00:50:15: Sehr schön.

00:50:23: Hey, wir haben noch Kultur-Tipps.

00:50:24: Genau.

00:50:25: Willst du anfangen?

00:50:26: Sehr gerne.

00:50:27: Ich möchte euch einen Spielfilm empfehlen.

00:50:31: Ein pakestanischen Spielfilm.

00:50:33: Der Film heißt Joyland und erzählt die Geschichte einer sehr patriarchal geprägten Familie, in der der jüngste Sohn zwar verheiratet ... sich in eine Transfrau und Tänzerin verliebt.

00:50:46: Und ja, in diesem Film geht es um Momente der sexuellen Befreiung gegenüber Begehren, das eigentlich zu unterdrücken ist.

00:50:54: Und es ist ein wirklich total schön erzähltes Drama.

00:50:56: Und außerdem war nicht es einfach total toll, die Einblicke in Pakistan zu bekommen, die wir selten sehen.

00:51:04: Der Film ist von Saim Sadik und gewonnen in Cannes vor drei Jahren, im Preis der Jury.

00:51:10: Also ist auch noch ... hat auch ein Qualitätsmerkmal bekommen.

00:51:16: Und in Bezug auf das Thema, was wir eben hatten, also den Equality Index, fand ich jetzt nochmal spannend, dass in Bezug auf Trans-Pakistan, by the way, relativ liberal ist.

00:51:28: Das liegt auch an der Geschichte.

00:51:32: Ich mache mir nochmal gerade den... Index auf und checker einmal ganz kurz Pakistan.

00:51:36: Man kann nämlich super nach Ländern suchen.

00:51:38: Ich tippe da jetzt oben einfach Pakistan ein und dann öffnet sich eine Detailansicht und wir sehen, dass insgesamt Pakistan über ein Equality Index von einund dreißig von hundert Punkten verfügt, also recht niedrig, aber wenn es um non-binary Gender Recognition geht, ist ein grüner Haken und das steht recognized, also es wird anerkannt.

00:52:00: Unter changing gender ist auch ein Haken legal, no restrictions, also ist es legal und es gibt keine beeinträchtigungen und gender affirming care ist auch ein grüner Haken und legal.

00:52:13: Homosexualität hingegen ist total verpönt, also fast neunzig Prozent haben in der öffentlichen Meinung Eine sehr negative Einstellung zu zum Beispiel same-sex couples und marriage und so weiter.

00:52:28: Das Spannende ist, also ich kenne, ich weiß aus einigen Ländern, da ist Homosexualität nicht akzeptiert, aber wenn du trans bist, dann gibt der Staat quasi auch eine Unterstützung.

00:52:40: So hast du dann, dann bist du nicht mehr in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung, sondern wenn du das Geschlecht dann offiziell Rast angleichen lassen, dann bist du ja als Transfrau mit einem Mann zusammen und dann bist du nicht mehr in einer homosexuellen Ehe, sondern in einer heterogeschlechtlichen Ehe.

00:52:59: Und das finde ich so spannend, dass einige Regierungen das so unterstützen, weil sie keine Homosexuellen haben wollen.

00:53:07: Unterstützen sie Transpersonen.

00:53:09: Ja, und Transpersonen sind also in den Regionen Werden Trans-Menschen ja teilweise recht verehrt.

00:53:15: Also insbesondere Transfrauen.

00:53:17: Oder denen wird ja auch Göttliches zugeschrieben.

00:53:19: Also in vielen Regionen haben Trans-Personen teilweise richtig Privilegien.

00:53:24: Das ist sehr interessant.

00:53:25: Aber ich kenne mich leider zu wenig aus, um da jetzt so aus dem Stand viel drüber erzählen zu können.

00:53:29: Ich möchte mich dabei auch noch ein bisschen weiter aufschlauen.

00:53:32: Und sobald ich das besser verstanden habe, kann ich da auch gerne noch mal was zu erzählen.

00:53:37: Oder hätte ich noch eine kleine Anekdote.

00:53:39: Ja, los, haut raus.

00:53:40: Ich war mal in Frankfurt auf einer Veranstaltung und dann sind wir mit der ganzen Belegschaft abends noch irgendwie in die Bar und der Barkeeper war aus Indien und er hat mich dann gesehen und wir haben uns kurz unterhalten.

00:53:53: und dann kam er irgendwann zu mir und hat gefragt, ob er mir seine Hand geben darf.

00:53:57: Dann habe ich gesagt, ja klar.

00:53:59: Hallo, ich bin die Julia und er hat dann auch seinen Namen gesagt.

00:54:02: Er sagt, bei uns in Indien ist das so, wenn dir eine Transperson in ihre Hand reicht, dann gibt sie ihre Segen.

00:54:08: Und er dachte, ich bin in dem Moment, ich war total überwältigt, wusste gar nicht, wie ich darauf reagieren soll.

00:54:15: Aber da sieht man mal, wie das in unterschiedlichen Kulturen fast dafür völlig unterschiedliche Sichtweisen, Weltanschauungen gibt zu dem Thema.

00:54:24: Das fand ich sehr berührend.

00:54:26: Ja.

00:54:28: Also nochmal kurz den Bogen zurück zum Film.

00:54:32: Der Titel des Films ist Joyland und ich möchte den sehr empfehlen.

00:54:36: Und dann noch das allerletzte, nur noch eine kleine Rückmeldung eines Tipps.

00:54:40: Ich glaube, das war in der ersten Folge oder in der zweiten hatte ich das Stück Paradiesische Zustände empfohlen.

00:54:46: Und mittlerweile habe ich das Stück gesehen und das... Es war sehr berührend und mutig und toll und cool und auch lustig.

00:54:53: und wer in Berlin ist, es wird an der Schaubühne gezeigt und es gibt noch einige Termine, ich glaube bis in den November hinein, paradiesische Zustände, ganz toll.

00:55:03: Cool, sehr schön.

00:55:04: Ja, ich habe auch ein paar Sachen rausgesucht.

00:55:07: Und zwar bin ich auf Marius Schäfers gestoßen.

00:55:11: Und Marius Schäfers schreibt total coole Bücher.

00:55:15: Da sind es realistische Romanzen dabei.

00:55:17: Da ist eine Kategorie, die nennt sich Romantasie.

00:55:20: Das ist so eine Mischung aus Roman und Fantasie.

00:55:23: Das ist gerade ein ganz großes

00:55:25: Ding.

00:55:25: Und auch viele Kurzgeschichten und so weiter.

00:55:28: Und ich bin auf Marius Schäfers gestoßen, weil ich ein bisschen über Sensitivity reading... gegoogelt habe.

00:55:34: und Marius Schäfers bietet auch Sensitivity-Reading an und er schreibt viele Geschichten, die einen Transbezug haben, aber auch welche, die gar keinen Transbezug haben und ist da total irgendwie bereit aufgestellt und dachte ich, das muss ich auf jeden Fall hier weiter empfehlen.

00:55:49: Und das zweite, was ich habe, ist auch ein Film, auch ein Spielfilm, der heißt eine fantastische Frau.

00:55:55: In zwei tausend siebzehn kamen der raus.

00:55:58: Also da geht es um eine Beziehung zwischen einem Mann und einer Transfrau und er ist da ganz plötzlich, ist er verstorben.

00:56:04: und in dem Moment, sie begleitet ihn dann noch zum Krankenhaus und begegnet dann auch sofort irgendwelchen Vorurteilen.

00:56:10: Sie wird sogar verdächtigt, dass sie was mit dem Tod zu tun haben könnte.

00:56:14: Da kommt dann eine Kommissarin, die auf Sexualstraftaten irgendwie spezialisiert ist und so weiter.

00:56:20: Und die Angehörigen wollen es nicht zulassen, dass sie bei der Trauerfeier dabei ist.

00:56:25: Und weil sie so was in Anführungsstrichen nicht dort haben wollen.

00:56:30: Und sie kämpft sehr intensiv für ihr Recht auf Trauer sozusagen.

00:56:35: Und da sieht man auch wieder wie sehr... die Vorurteile geprägt sind und da wird auch gefragt, ob ihr Partner der zwanzig Jahre älter, ob er sie dafür bezahlt hat, also da wird die Prostitution unterstellt und solche Sachen, aber sie haben eine ganz normale Beziehung geführt.

00:56:51: und eine Szene, die mir dort besonders im Kopf geblieben ist, ist, wie sie von irgendeinem Termin über die Straße geht und es ist draußen sehr windig und der Wind wird immer stärker und sie stellt sich quasi so schräg in den Wind und geht immer einen Schritt nach dem anderen weiter.

00:57:08: vorwärts.

00:57:09: Das symbolisiert so ein bisschen den schweren Weg, den sie geht, dass sie trotz aller Widerstände weiter durch diesen Sturm läuft.

00:57:15: Und das fand ich ganz inspirierend damals schon.

00:57:19: Der hat dann im Jahr zwei Tausend Achtzehn auch einen Oscar gewonnen.

00:57:23: Das war also ein ganz toller Film, den ich auf jeden Fall empfehlen möchte.

00:57:27: Klingt echt super.

00:57:28: Danke.

00:57:34: So, dann sind wir auch schon bei der letzten Kategorie.

00:57:36: Ja, Unboxing Trans geht nicht zu Ende, ohne dass wir unsere Preise vergeben.

00:57:42: Genau.

00:57:43: Und zwar, also den Negativpreis gebe ich heute ans FBI.

00:57:49: Das FBI möchte oder also Ursprung ist die sogenannte Heritage Foundation, die dem FBI nahegelegt haben.

00:57:57: Transpersonen als inländische Terroristen oder als nihilistisch gewalttätige Extremisten einzustufen.

00:58:05: Und da ist jetzt öffentlich geworden, dass zwei Beamte das wohl tatsächlich in Erwägung ziehen.

00:58:10: darüber, innerhalb des FBI darüber zu.

00:58:13: diskutieren, dass Transpersonen als nihilistische Gewaltextremisten eingestuft werden sollen.

00:58:18: Das ist eine neue Bedrohungskategorie, die dort eingeführt wurde.

00:58:21: Und nihilismus heißt ja sowas wie Selbstzerstörung oder Ablehnung der Ablehnung moralischer Werte, der Ordnung von Ablehnung der absoluten Wahrheit und so weiter.

00:58:31: Und dass die Trans-Community jetzt als gewaltbereite Extremisten dargestellt werden sollen, um sie weiter verfolgen zu können.

00:58:39: Also es hat eine ganz neue Dimension in den USA angenommen.

00:58:43: Ich finde das ganz schlimm, was dort passiert.

00:58:45: Ich kriege auch persönlich irgendwie Hilferufe, ob man nicht unterstützen könnte, dass Transpersonen die USA verlassen, nach Deutschland oder noch Europa einwandern können.

00:58:54: Also es ist gerade ganz schlimm, was dort los ist.

00:58:57: Und deshalb glaube ich, dass das FBI unser Angstkatzenhäschen verdient hat.

00:59:01: Ja.

00:59:02: Also ich verfolge das auch sehr in der Berichterstattung.

00:59:05: Und es schnürt mir wirklich die Kehle zu, wenn ich das mitbekomme, was sich da zusammenbraut.

00:59:11: Nicht nur, weil es einfach so menschenfeindlich ist.

00:59:15: Nicht nur in Bezug auf die Transcommunity, aber halt da auch.

00:59:18: Mir dreht sich regelrecht der Magen auf links, weil mir schlecht und Angst und Bange wird, weil ich einfach so eine Befürchtung habe, dass bisher ist halt alles immer zeitversetzt aus den USA auch irgendwann in Europa gelandet.

00:59:32: Und es gibt einfach diesen ganzen ... rechtsnationalen, libertären Kräften so viel Inspiration zur Feindseligkeit gegen marginalisierte Gruppen, dass ich wirklich, ich weiß gar nicht, wie man diese Schwämme an... Hass und Menschenverachtung, wie man das irgendwie, wie man sich dagegen stützen kann.

00:59:55: Also, der Antipreis reicht noch nicht.

00:59:57: Ich finde es total gut, dass du das ausgewählt hast.

00:59:59: Ich glaube, eigentlich auch wäre es vielleicht ganz gut, wenn wir irgendwann mal so eine Sonderfolge zum Thema USA machen, weil da einfach so viel passiert, da mal wirklich genau hingucken.

01:00:08: Und ich finde, das ist ganz wichtig, was da gerade in den USA passiert.

01:00:13: Ich finde es gut, dass du es ausgewählt hast.

01:00:15: Aber jetzt genau, um diese zugeschnürte Brust noch mal aufzukriegen, hoffentlich noch was Schönes zum Ende.

01:00:22: Genau.

01:00:23: Der goldene Blumenstrauß geht an das Rubikon in Köln.

01:00:28: Die bieten nämlich schon seit längerer Zeit ein sogenanntes Trans- und Interschwimmen an.

01:00:33: Weil für Transpersonen ist es ja oftmals sehr problematisch, Schwimmbäder oder Sauna aufzusuchen und so weiter.

01:00:40: Und das Rubikon ist ein Schwimmbad?

01:00:42: Das Rubikon ist eine Queerorganisation, also eine Anlaufstelle, Beratungsstelle, die auch Selbsthilfegruppen und so weiter anbieten und sich in Köln für die Belange von queeren Menschen einsetzen und schon sehr lange etabliert sind.

01:01:00: Ich glaube, eine der ältesten queeren Organisationen, die es in Köln gibt.

01:01:03: Und die bieten auf jeden Fall jetzt auch ein... Transinter nichtbinären Saunertag an und mieten dafür die städtischen Schwimmbäder und Saune, um dort ein Saverspace gerade für transinter nichtbinäre Personen anzubieten.

01:01:22: Da gibt es dann auch einen speziellen Tag, wo dann nur transinter nichtbinäre Personen gibt oder auch einen, wo transinter nichtbinäre and friends vorbeikommen können.

01:01:32: Und das bieten die schon seit einiger Zeit an.

01:01:36: Und das mit der Sauna, das habe ich jetzt zum ersten Mal vor kurzem wahrgenommen und dachte, das müssen wir auf jeden Fall hier publik machen und zeigen, dass es ganz tolle Angebote gibt.

01:01:47: Dass es auch anders geht mit Sauna.

01:01:49: Genau.

01:01:50: Ganz genau, richtig.

01:01:51: Herzchen gehen raus nach Köln, ans Rubikon.

01:01:56: In vier Wochen sind wir wieder da.

01:01:57: Genau.

01:01:57: Ich freue mich auf die nächste Folge.

01:01:59: Ja.

01:02:00: Okay, also ihr Lieben.

01:02:02: passt auf

01:02:02: euch auf

01:02:03: und empfiehlt den Podcast gerne weiter, bewertet ihn gerne auch, damit er gut sichtbar bleibt.

01:02:09: Und natürlich dürft ihr auch unsere Arbeit unterstützen, etwa indem ihr uns bei Steady abonniert, kann man so sagen.

01:02:16: Bei Steady abonnieren, da kann man verschiedene Unterstützungsprogramme auswählen, mit Monatsbeiträgen, etc.

01:02:25: Damit könnt ihr unsere journalistische Arbeit, die wir hier jedes Mal reinstecken und die Zeit, die wir hier rein investieren, ein bisschen.

01:02:33: wertschätzen.

01:02:33: Da würden wir uns sehr freuen.

01:02:34: Da würden

01:02:35: wir uns freuen, aber alles kann nichts.

01:02:37: Wir freuen uns auch einfach, wenn

01:02:39: ihr nächstes Mal wieder einschaltet.

01:02:41: Bis dann!

01:02:42: Danke und tschüss!

01:02:43: Ciao!

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