Folge 6: Soziales Geschlecht, Eyeliner und warum Erinnern politisch ist!
Shownotes
Die einzelnen Rubriken: (00:02:05) Unboxing by Julia: Sozialisation – Geschlechterrollen und Identität (00:29:50) Anruf aus der Vergangenheit: Inter Frau und KZ-Überlebende Adele Haas (00:36:02) Community-Teil: Fragen und Austausch (00:38:30) Unboxing by Kathleen: Trans Day of Remembrance & X-mas-Vorsorge (00:54:20) Kulturempfehlungen: Album "I am a Bird now" von Anohni, Dokumentarfilm "The Death and Life of Marsha P. Johnson" und Musical "Hedwig and the angry inch" (01:01:25) Blumenstrauß: für den neuen New Yorker Bürgermeister, das Angstkatzenhäschen an 6 Nationen Klimakonferenz und Allyship-Preis nach New York
UNBOXING TRANS – Mehr Wissen, weniger Vorurteile. Mit Julia und Kathleen
In der letzten 6. Folge des Jahres wird's ganz schön persönlich. Wie sind wir groß geworden, welche Werte und Rollenselbstverständlichkeiten wurden uns eingeimpft, wovon haben wir uns befreit? Wir sprechen über den Tod, das Erinnern und den Widerstand und über Vorsorge und Selbstbestimmung. Und darüber, wie wir heile durch die Weihnachtszeit kommen können. Beim Anruf aus der Vergangenheit lernen wir die Inter Frau und KZ-Überlebende Adele Haas kennen. Und dann gibt's die volle Dröhnung Kulturtipps: Das Album "I am a Bird now" von Anohni, den Dokumentarfilm "The Death and Life of Marsha P. Johnson" und das Musical "Hedwig and the angry inch" Wie sonst auch gibt's die Community-Frage und am Ende der Folge den Blumenstrauß für Allyship, der nach New York geht. Das Angstkatzenhäschen hat diesmal mit der Weltklimakonferenz zu tun. Aber hört selbst. Viel Spaß dabei!
Transkript anzeigen
00:00:01: Ihr hört Unboxing Trans.
00:00:04: Ein Podcast, in dem wir in jeder Folge ein Thema auspacken, das für Trans-Menschen wichtig ist und über das Allies und Verbündete vielleicht noch wenig wissen.
00:00:14: Trans-Themen kommen derzeit fast nur als Antitrans-Themen vor.
00:00:18: Mit Unboxing Trans wollen wir das ändern.
00:00:20: Wie?
00:00:21: Indem wir von innen heraus erzählen.
00:00:24: Wir, das sind übrigens Katlin und ich bin die Julia.
00:00:27: Zwei Freundinnen, die eine cis
00:00:29: und die andere trans.
00:00:30: Und was besprechen wir so?
00:00:33: In zehn Folgen bringt jede von uns etwas mit, was die andere Person vorher nicht weiß.
00:00:38: Ich habe immer ein Thema dabei, das für Trans-Menschen wichtig ist.
00:00:41: Dieses Thema packen wir dann bis ins Detail aus.
00:00:44: Und du?
00:00:46: Ich bringe ein Objekt mit, das ich mit Trans-Themen verbinde und Kultur tippt.
00:00:51: Außerdem bekommen wir einen spannenden Anruf aus der Vergangenheit und lernen eine historische Persönlichkeit kennen.
00:00:56: Dann beantworten wir auch Fragen aus der Community und Vergebenpreise.
00:01:00: Wir haben das Angstkatzenhäschen als Antipreis und einen goldenen Blumenstrauß für besonderes Engagement.
00:01:08: Ja, herzlich willkommen zurück zu unserem Podcast Unboxing Trans.
00:01:12: Katlin und ich, wir packen jede Folge ein paar Begriffe aus, die etwas mit der Transthematik zu tun haben.
00:01:21: Und wir freuen uns, dass ihr wieder eingeschaltet
00:01:23: habt.
00:01:24: Es ist Folge sechs, ich find's total krass.
00:01:26: Und Julia?
00:01:27: Es ist die letzte Folge im Jahr zwanzig fünfzwanzig.
00:01:31: Oh ja, stimmt.
00:01:32: Ja.
00:01:33: Wir haben einiges geschafft, zweitausendfünfzwanzig.
00:01:35: Hätte ich nicht gedacht.
00:01:36: Find ich auch.
00:01:37: Wahnsinn.
00:01:38: Ja, und dann bin ich gespannt, was zwanzigfünfzwanzig auf uns zukommt.
00:01:41: Und vor allen Dingen, wie sich die gesetzlichen politischen Entwicklungen und so weiter fortsetzen.
00:01:48: Ja, ja.
00:01:48: Gesellschaftlich, was sich da alles so tut.
00:01:50: Da können wir ja nur hoffen, dass es zwanzigfünfzwanzig besser wird.
00:01:53: Allerdings sehr viel hoffen.
00:01:55: Aber lass uns heute noch in zweizig fünfundzwanzig bleiben.
00:01:58: Ich bin gespannt, was du mitgebracht hast.
00:02:00: Was packen wir heute aus, Julia?
00:02:04: Ich habe ein Wort, das kennst du mit Sicherheit.
00:02:08: Da bin ich mir sehr sicher.
00:02:10: Den Begriff Sozialisation mitgebracht.
00:02:13: Du weißt bestimmt, was das ist oder kannst du bestimmt etwas darunter vorstellen?
00:02:17: Ich würde sagen, Sozialisation ist die Summe aller prägenden Teile, die wir als Menschen... Erlebt haben durch unsere am Anfang Herkunftsfamilie und dann halt auch durch weitere äußere Faktoren wie, keine Ahnung.
00:02:34: Fängt im Kindergarten an mit Freundinnen, Grundschule, Schulbildung, überhaupt Bildungsweg.
00:02:40: Und dann natürlich, je älter Mensch wird, auch immer externere Faktoren, die prägen und zur Sozialisation beitragen.
00:02:49: Aber angefangen üblicherweise in einer Herkunftsfamilie.
00:02:54: Stimmt?
00:02:55: Genau, ja, das ist richtig beschrieben.
00:02:59: Es gibt unterschiedliche Phasen dieser Sozialisation und unterschiedliche Instanzen.
00:03:07: So nennt sich, ich habe mich mal ein bisschen da reingefuchst.
00:03:10: Die Instanzen hast du schon genannt, das sind zum Beispiel Kindergarten, Schule, Beruf und so weiter.
00:03:15: Familie, dann ist eine Instanz, wird zum Beispiel als Freizeitaktivitäten genannt.
00:03:21: Eine weitere Instanz ist Religion, das politische System, Vereine oder Sportvereine, in denen wir so tätig sind, die eigene Peer Group oder auch Massenmedien, TV, Radio etc.
00:03:32: Auch das ist eine Instanz, die die Sozialisation maßgeblich irgendwie mit prägt.
00:03:39: Die Sozialisation trägt sehr intensiv zur Identitätsfindung bei.
00:03:43: Und das ist ja gerade bei Transfersionen sehr spannend, weil wir sehr in unsere Rollen so reingesteckt werden.
00:03:50: Und bei dieser Sozialisation werden insbesondere Fähigkeiten, Wissen und Denkmuster.
00:03:57: Motive oder auch Bedürfnisse, die wir haben, die werden dadurch geprägt.
00:04:03: Unsere moralischen Entwicklungen, Normen oder Wertevorstellungen, aber auch so politische und religiöse Weltanschauungen.
00:04:11: Allgemeine Stimmung und Gefühle darf ich Gefühle zeigen oder muss ich sie irgendwie unterdrücken?
00:04:15: etc.
00:04:16: Unser Sozialverhalten und die Erziehungsvorstellung.
00:04:21: Darf ich noch ganz kurz noch den größeren Rahmen auch noch mit zur Sozialisierung beigeben nämlich die gesellschaftliche Sozialisierung, wenn es gerade um so geschlechter Rollenerwartungen geht, spielen ja auch da noch mit rein.
00:04:35: Das ist ja nicht so von so einer urindividuellen Ebene, die dann immer breiter wird und sich immer an größeren gesellschaftlichen direkten und indirekten Strukturen ja auch anlehnt oder davon beeinflusst wird.
00:04:49: Genau, das ist dann die sogenannte geschlechtsspezifische Sozialisation.
00:04:54: Das nennt man Gruppenspezifika, habe ich geguggelt.
00:05:00: Also man fühlt sich zu einer Gruppe zugehörig.
00:05:03: Das heißt, zu dem männlichen Geschlecht zugehörig oder dem weiblichen Geschlecht zugehörig und wird in dieser Gruppe entsprechend sozialisiert.
00:05:09: Also, der wird halt sehr mit Geschlechterstereotypen gearbeitet.
00:05:15: Männer müssen mutig sein, stark sein,
00:05:18: etc.,
00:05:18: dürfen keine Gefühle zeigen und so weiter.
00:05:20: Und so werden wir ja von, also von klein auf, du hast es gerade gesagt, es fängt im Kindergarten an, Schule, Beruf und so weiter.
00:05:29: Das nennt man die... Die primäre Sozialisation, da gibt es die sekundäre Sozialisation, das bedeutet, dass der Einfluss aus diesen Instanzen, die wir vorher hatten, die in der primären Phase vorher nur durch die Eltern geprägt war beispielsweise, dann nimmt dieser Einfluss aus diesen anderen Instanzen jetzt zu.
00:05:50: Das heißt Kindergarten, wo dann andere Kinder sind, Schule und so weiter.
00:05:54: Es gibt jetzt viel mehr Einflussfaktoren, die diese Phase beschreiben.
00:05:59: Danach gibt es dann die terziere Sozialisation.
00:06:02: Da hat man eine bestimmte Gruppenzugehörigkeit zu meinem Beruf, den ich ausübe.
00:06:09: Da bin ich nur mit Leuten zusammen, die den selben Beruf machen oder in dieser selben Branche arbeiten.
00:06:15: Auch der eigene Freundeskreis bildet sich dann intensiver aus und so.
00:06:20: Und dann gibt es noch die Quarzierer-Sozialisation.
00:06:23: Das heißt, im hohen Alter, wenn du aufs Rentenalter zugehst,
00:06:27: etc.,
00:06:28: da hat man dann auch bestimmte Erwartungen an die Gesellschaft und umgekehrt.
00:06:32: Wir sprechen aber jetzt über die schlechtspezifische Sozialisation.
00:06:36: Und da gibt es ja schon von klein auf bestimmte Rollenerwartungen an Jungs und Mädchen.
00:06:43: Und da gab es mal... einen Test, also es gab viele verschiedene Studien darüber, das wurden kleine Babys zum Beispiel in verschiedenen Farben rosa und blau angezogen und dann sollten die Erwachsenen mit dem Baby einfach spielen und haben dann typisch sozialisiert, versucht den Babys entsprechend der Kleidung.
00:07:07: mit den Bauklötzen, mit den Autos, mit dem Bagger oder mit den Puppen, mit den Pferden und so weiter irgendwie die Spielzeuge gegeben.
00:07:15: Und da gibt es ein Video von der BBC, die haben das mal ausprobiert.
00:07:20: Und da war ganz spannend, wie sie versucht haben, dem Baby in der blauen Kleidung dann automatisch mal die männlich assoziierten Spielzeuge zu geben.
00:07:33: Das zeigt, welche Erwartungen wir als Erwachsene auch gerade an die Babys haben und wie wir gerade diese Geschlechtsrollen immer weiter definieren und das auch immer wieder reproduzieren, ohne dass wir das vielleicht wollen.
00:07:46: Und ich glaube, dass du und ich eine ganz unterschiedliche Sozialisation hatten.
00:07:52: Vielleicht magst du mir mal deine Sozialisation erzählen, wie das bei dir gewesen ist.
00:07:56: Als Kind, Jugendalter.
00:08:00: Dein Umfeld, in dem du groß geworden bist und so weiter.
00:08:04: Ja, ich kann es ja mal ein bisschen zusammenreißen.
00:08:07: Also erst mal bin ich groß geworden in der Zeit, in der es, Gott sei Dank, noch kein Gendermarketing gab.
00:08:11: Also dieses ganze Hellblau und Rosa gab es wirklich einfach gar nicht.
00:08:16: Also ich bin in spielten Siebzigern geboren und dann ja in den frühen Achtzigern sozialisiert.
00:08:23: Also ich war eher... Auf Bildern kann man gar nicht erkennen, also im klassischen Sinne, dass ich jetzt ein Mädchen bin.
00:08:31: Ich könnte genauso gut auch ein Junge sein.
00:08:33: Ich habe kurze Haare und eine Latzhose aus braunem Kord an und bin immer irgendwie am Rum klettern und am Spiel, draußen mit anderen Kindern.
00:08:43: Also zu Bildern, die ich direkt vor Augen habe.
00:08:47: Das ändert sich allerdings dann ein bisschen später im Kindergarten.
00:08:50: Da fängt das natürlich an.
00:08:52: Logischerweise, da kommen dann ja auch andere Einführste mit dazu.
00:08:55: Und ich kenne das auch aus meinem Umfeld heute.
00:08:59: Dann geht halt trotzdem irgendwie so ein bisschen so eine rosa Pastellige oder wie auch immer Phase los.
00:09:06: Jetzt nicht in der Klamottenauswahl.
00:09:07: Das gab es ja wie gesagt kaum.
00:09:09: Aber ich erinnere mich schon, dass ich dann einmal Karneval als Ballerina gehen wollte zum Beispiel.
00:09:14: Also man kann Junge ja auch als Ballerina gehen, aber das wäre sicherlich... damals als komisch empfunden worden und habe ich auch nie irgendwo erlebt.
00:09:26: Und dann immer näher an die Pubertät kommt.
00:09:29: Okay, bleiben wir mal kurz beim Kindergarten.
00:09:33: Ich war ja auch im Kindergarten.
00:09:34: Und wie du weißt, hatte ich ja eine sehr christliche Sozialisation, eine sehr religiöse Sozialisation.
00:09:43: Und ich bin im Kindergarten, habe ich schon ... eine beste Freundin gehabt, mit der ich ... Ich hab dann immer bei ihr zu Hause auch gespielt.
00:09:51: Und wir haben dort mit Puppen, Pferden, Barbie und keine Ahnung, was gespielt.
00:09:57: Und da war dann ... Also, meine Eltern haben das auch mitgemacht.
00:10:02: Mhm.
00:10:03: Weil die haben da jetzt irgendwie nichts dramatisch erkannt.
00:10:05: Andere haben halt ... Also, die Jungs haben mit Jungs gespielt und Mädchen mit Mädchen.
00:10:10: Aber bei mir war das halt irgendwie anders.
00:10:13: Und ich hab dann später in der Schule, da weiß ich noch, da ... kam mein Grundschullehrer nach, das war ein Elternabend oder so, ist auf meine Mutter zugegangen und hat gesagt, ich bräuchte unbedingt Mädchen als Schwester.
00:10:27: Ich hatte ja nur Jungs als Brüder.
00:10:31: Das ist ja total unverschämt.
00:10:33: Echt, ein Lehrer sagt, dass zu deiner Mutter so von wegen hier damit die weibliche Ader bei ihrem Sohnemann hier mal sich so ein bisschen verflüchtigt, bitte reproduzieren, sie mal ordentlich weiter ihre Familie und am besten so lange, bis ein Mädchen bei rauskommt.
00:10:44: Genau.
00:10:45: Das war, also da kann ich mich noch sehr genau daran erinnern und ich habe mich, weil ich immer nur mit dem Mädchen gespielt habe und das kann ich mich noch sehr genau erinnern, dass der in meinem Beisein und dann so ein bisschen vorwurfsvoll mir gegenüber auch so.
00:11:01: Ich müsste unbedingt mal ein bisschen männlicher sozialisiert werden oder so.
00:11:07: Das fand ich schon sehr krass und auch übergriffig.
00:11:09: Also damals habe ich das einfach nur als unangenehm empfunden, aber heute weiß ich halt, dass es auch irgendwie so ein bisschen übergriffig gewesen
00:11:16: ist.
00:11:16: Ja, unverschämt.
00:11:17: Also auch gegen deine Mutter und gegen die letztliche freiheitliche Entscheidung über ihre Familienplanung.
00:11:23: Eventuell, das finde ich echt irre.
00:11:25: Aber um nochmal zurückzukommen, also was auch so die Geschlechter in Anführungsstrichen meiner Freundinnen, Freunde anbelangte, also mein bester Freund, Grüße gehen raus.
00:11:36: an Fluri, mein allererster Freund.
00:11:40: Wir sind wirklich da, waren wir beide noch nicht in der Kita, da waren wir schon dicke Freunde.
00:11:46: Von dem habe ich zum Beispiel, natürlich nicht mit zwei oder drei, sondern ein bisschen später, der hat mich an Babys herangeführt.
00:11:53: Also ohne den wäre ich gar nicht zum Babyspielen gekommen, zumindest nicht zu dem Zeitpunkt.
00:11:57: Der war also schon vorher auf der Babi-Welle, als ich das noch gar nicht wusste.
00:12:01: Und dann war ich irgendwie auch mit da drauf.
00:12:03: Aber ich war auch nicht so, dass Puppenkind tatsächlich.
00:12:07: Also ich hatte so Kettkass und Trecker.
00:12:09: Also ich hab am Ende war es aber auch so, ich hab das bekommen, was in unserer Familie weitergereicht wurde und wahrscheinlich war das nächste große Kind vor mir ein Junge und von dem hab ich halt die Klamotten geerbt und Spielzeuge geerbt.
00:12:19: Deswegen tippe ich, war es halt eher so ein bisschen männlich konnotierte Spielsachen.
00:12:25: Aber ich ... Erinnere mich auch, dass da war ich ungefähr sechs oder sieben.
00:12:29: Da wollte ich dann auch so eine Babypuppe haben.
00:12:31: Das war ganz groß damals.
00:12:33: Und dann hab ich immer so einen Plastik-Säugling die ganze Zeit durch die Gegend getragen und hab dann hier so meine mütterliche Ada voll durch performt als, keine Ahnung, vielleicht erst oder zweitklässler Rennen.
00:12:45: Wo das herkam, weiß ich auch nicht, wahrscheinlich dann am Ende doch von irgendwie dem Spielzeug Kapitalismus, der mittlerweile auch in den Achtzigerjahren so durchgesackert ist.
00:12:55: und bei irgendwelchen Schulkameraden wahrscheinlich angekommen ist, ich das da gesehen habe und das dann halt auch haben wollte, wie das ja ganz oft so ist, logisch, ne?
00:13:04: Aber ich würde sagen, also ich hatte total viele männliche und weibliche Freundinnen, also ich wurde jetzt nicht immer nur mit Mädchen zusammen gesteckt, das war total egal, aber je älter ich wurde, desto weiblicher wurde dann auch mein Peer umfällt, logischerweise, weil Jungs dann irgendwann auch so ein bisschen ... noch ein bisschen hinterher waren und sich halt nicht so schnell mitentwickelt haben.
00:13:25: Da ist man dann irgendwie so in der
00:13:26: tagpuppatierenden
00:13:29: Teenage-Girl-Zone geblieben.
00:13:34: Ja, bei uns war das ja so.
00:13:35: Ich, wie gesagt, ich bin in einer sehr religiösen oder Umfeld groß geworden.
00:13:42: Und da war auch ganz strikt Geschlechtertrennung.
00:13:45: Da durften Männer und Frauen nicht zusammensitzen.
00:13:49: Du bist in den Gemeindesaal reingegangen, rechts haben dann die alten Herren gesessen, links haben dann die Frauen gesessen.
00:13:57: Und es war sehr streng getrennt.
00:13:58: Und je älter ich dann wurde, desto mehr hat sich dieses Bewusstsein dafür ausgeprägt, dass das andere Geschlecht irgendwie gefährlich.
00:14:12: Also Frauen wurden ja immer so dargestellt, als würden sie Männer verführen.
00:14:16: Der
00:14:16: Sündenfall für immer und ewig.
00:14:19: Genau.
00:14:21: Aber dann wurdet ihr total früh sexualisiert, wenn das schon in der Kindheit so eingeimpft wurde.
00:14:25: Das würde doch heute, würde man noch sagen, doch die Gegner da draußen immer was sollen.
00:14:30: Lasst unsere Kinder doch in Ruhe mit eurer...
00:14:32: Also ich glaube auch, die einzigen, die wirklich Frühsexualisierung betreiben, sind die... sind die kirchen die von von klein auf die die menschen irgendwie in bestimmte rollen pressen wollen mit mit gewalt.
00:14:47: und also es gibt doch so viele vorstellungen was alles sexualisiert wird also wenn ein Brötchen in der Mitte geteilt ist und das aussehen soll wie ein Dekolleté und so weiter und deshalb darfst du es nicht essen.
00:15:01: Also alles mögliche.
00:15:01: Wie
00:15:02: bitte?
00:15:03: Ich habe alles mögliche
00:15:04: erlebt.
00:15:05: Wir sind wirklich auf zwei verschiedenen Planeten groß geworden, weil bei mir war die Leine extrem lang, der Betreuungsschlüssel sehr niedrig, aber ich war immer gut versorgt.
00:15:15: Also ich möchte hier nicht das Bild erwecken, dass ich vernachlässigt wurde, aber ich war echt so ein bisschen freier Wirbelwind als Kind.
00:15:25: Aber warte mal ganz kurz, Julia.
00:15:27: Ich muss das gerade einmal holen.
00:15:28: Ich habe so in meinem Flur so eine Foto-Bilderwand.
00:15:31: Und da ist ein einziges Foto auch von mir als Kind dabei.
00:15:34: Ich muss das mal gerade holen und dir zeigen.
00:15:36: Ja, gerne.
00:15:39: Ich hoffe, dass du das jetzt überhaupt gut sehen kannst.
00:15:41: Ich halte das einfach mal in die Kamera.
00:15:43: Krass!
00:15:44: Mit Latzhose, wie schön.
00:15:46: Von der braun-beschen Tapete, wie sich das für die Achtsieger gehört.
00:15:50: Und mit Arme vorne verschränkt.
00:15:53: Kurzhaarschnitt.
00:15:54: Wie alt warst du da?
00:15:55: Keine Ahnung, vier, drei, vier so um den Dreh.
00:15:58: Krass.
00:15:59: Das ist so eine rebellische Pose irgendwie, oder?
00:16:02: So ein bisschen Haut drauf.
00:16:03: Ich mag die Stimmung von dem Foto auch.
00:16:05: Ich bin kein rosa gekleidetes Mädchen.
00:16:08: Das gab es wirklich, ich kann mich nicht dran erinnern, dass es das in meiner frühen Kindheit überhaupt irgendwo gegeben hat.
00:16:14: Naja, okay, das war jetzt ein sehr persönlicher kleiner Exkurs.
00:16:18: Wollen wir weitermachen mit der Sozialisierung oder Sozialisation?
00:16:22: Es ist das Gleiche, ne?
00:16:23: Das ist das Gleiche, das habe ich mich auch gefragt.
00:16:25: Das eine ist mehr wissenschaftlich aus der Soziologie und das andere ist halt, was gesellschaftlich eher verwendet wird und so.
00:16:35: Aber die Bedeutung ist eigentlich dieselbe.
00:16:38: Was mich bei dem Thema Sitzualisation noch so... umtreibt ist, dass ich halt sehr männlich sozialisiert wurde.
00:16:45: Ich hab zum Beispiel auch, ich musste Frauen beschützen, das war immer so ein Ding, Männer müssen sich um die Frauen kümmern und darauf achten, dass sie, dass ihnen gut geht und für sie einstehen und so weiter.
00:16:56: Also in dem Punkt bin ich sehr, glaube ich, auch sehr geprägt worden.
00:16:59: Ich war bei der Bundeswehr, das war auch so ein... Was hast
00:17:01: du schon mal erwähnt, ja?
00:17:03: Ich kann das kaum glauben.
00:17:04: Das war so ein Männlichkeitsding irgendwie.
00:17:07: Aber was ich... was mir zum Beispiel gefehlt hat.
00:17:10: Ich habe nie diese typischen Dinge gelernt, die Mädchen lernen.
00:17:14: Ich habe nie gelernt, wie man sich richtig die Haare macht, wie man sich stylt, kleidet oder Make-up und so.
00:17:20: Also da, wo andere Mädchen sich untereinander, schon im Kindesalter, im Jugendalter, sich gegenseitig irgendwie die Haare frisieren und Dinge ausprobieren und so weiter.
00:17:31: Das sind halt alles Sachen, die ich ... Ende dreißig habe ich gelernt, wie man Haare frisiert, also lange Haare föhnt und solche Sachen und das war für mich eine Herausforderung und ich musste mir das selbst beibringen mit YouTube-Videos und so weiter.
00:17:49: Ich habe auch nicht getraut, irgendwie andere Leute zu fragen und so.
00:17:54: Das sind so Sachen, die ich dann nachholen musste, wo ich meine Sozialisation irgendwie aufarbeiten musste und das hat mich sehr.
00:18:05: Also, ich find's sehr schade, sehr traurig, dass ich das irgendwie alles nicht lernen konnte und da so auf mich alleine gestellt war, um das selbst alles irgendwie rauszufinden.
00:18:15: Das hat mich sehr beschäftigt.
00:18:18: Aber hast du in dieser, wenn ich jetzt mal so Frau-Werdung titulieren darf, ist das okay?
00:18:24: Ja, ist okay.
00:18:25: Hast du dann irgendwie so richtig bewusst auch Dinge abgelegt, die aus deiner männlichen Sozialisierung, in deiner Sprache, in deinem ... Körper eingeschrieben in deinem Habitus und so weiter.
00:18:36: Hast du dir das so bewusst gemacht, damit du es dann auch ganz bewusst versuchen konntest abzulegen?
00:18:41: Oder das sind ja so zwei Sozialisierungsstufen, die dann irgendwie miteinander in nicht Konkurrenz treten, aber die sich dann ja irgendwie ins Gehege kommen.
00:18:51: Ja,
00:18:52: also du musst natürlich auch lernen, in hohen Schulen zu laufen beispielsweise.
00:18:57: Das habe ich früher auch nie gekonnt.
00:18:59: Das musstest du dann, wenn du Ich sag mal, wenn du nicht sozialisiert bist und das nie von klein auf, also auch als junges Mädchen hast du ja mal vielleicht für eine Kommunion oder für irgendeine Hochzeit kleine Absatzschücheln getragen und so weiter, das ist was habe ich ja alles nie von Anfang an gelernt.
00:19:15: Ich kann bis heute nicht in Absatzschuhen laufen, das nur als Info.
00:19:18: Ich laufe heute auch kaum noch damit, aber... Du assoziierst das natürlich automatisch irgendwie mit Weiblichkeit.
00:19:25: Und dann macht es, es gibt Kurse, wo du das lernen kannst, auf hohen Schuhen zu laufen.
00:19:32: Kurse für Transfrauen?
00:19:34: Ja, die gibt es tatsächlich.
00:19:36: Also gab, ich weiß, ob es die heute noch gibt.
00:19:38: Also damals hat man sich ja in verschiedenen, das Internet ist gerade geboren und so.
00:19:42: Und dann hat man sich in verschiedenen Foren da was zusammengesucht.
00:19:45: Da wurden solche Kurse tatsächlich angeboten.
00:19:47: Und da habe ich halt einige gesehen, die laufen echt, also... wie man sich so einen maskuliten Kerl auf ... ... auf Stellzen vorstellt.
00:19:57: Und es hat halt keine ... ... keine Gangart, die man als weiblich assoziiert.
00:20:03: Und das sind halt so ... Also, Körpersprache war auch ein ganz großes Ding.
00:20:06: Wie verhalte ich mich, wenn man sich die Beine überschlägt und solche Sachen?
00:20:11: Das sind Dinge, die du dir anguckst.
00:20:14: Und auch, wenn du dann alleine durch die Straßen gehst und ... Ich sag mal, durch die Fußgängerzone und du schaust die andere Frauen an.
00:20:22: Du lernst, wie sie aussehen, wie sie sich gekleidet haben, wie sie sich die Haare gemacht haben.
00:20:27: Durch
00:20:27: Abschauen?
00:20:28: Durch Abschauen lernst du das.
00:20:29: Und ich war mal ... Ich hatte mal eine Beziehung mit einer Zissfrau.
00:20:35: Sie war die Erste, der ich mich gegenüber geoutet hatte.
00:20:39: So im Vertrauen.
00:20:40: Und sie war furchtbar eifersüchtig, dass ich immer auf andere Frauen geschaut habe.
00:20:44: Dann hab ich versucht, ihr das zu erklären.
00:20:46: Ich schaue sie nicht wie ein Mann an, weil ich sie irgendwie toll finde oder begierenswert finde, sondern weil ich von ihr lernen möchte.
00:20:55: Ich schaue, wie ist der Haarschnitt?
00:20:58: Wie ist das Make-up?
00:20:59: Wie ist der Kleidungsstil?
00:21:01: Wie ist die Gangart?
00:21:03: Wie bewegt man sich?
00:21:04: Und so lernt man mit der Zeit, weil du das in deiner männlichen Sozialisation alles nie gelernt hast.
00:21:10: Und das war für mich eine große Bereicherung.
00:21:14: Einfach mal... so andere Frauen zu beobachten, wie funktioniert das Ganze eigentlich und so.
00:21:21: Und ja, das muss man mit der Zeit alles für sich entdecken, wie das richtig geht.
00:21:28: Ich bin tatsächlich ein bisschen überrascht, weil das... Ein persönliches Thema.
00:21:33: Ich glaub, so persönliche Sachen hast du noch nie erzählt.
00:21:37: Ich glaub auch nicht.
00:21:38: Jetzt
00:21:38: auch, ich mein, es ist okay.
00:21:39: Es ist superpersönlich.
00:21:41: Aber trotzdem hab ich gerade auch was aus meinem Privatleben erzählt.
00:21:44: Das hatten wir noch nicht.
00:21:45: Aber ich find's okay.
00:21:46: Ja?
00:21:47: Ja.
00:21:49: Aber es ist ganz lustig, weil ich erinnere mich, als wir noch nicht mit Unboxing Trans angefangen haben, aber so schon Gedankenschwanger damit durch die Gegend gelaufen sind.
00:22:00: und ich diese Idee entwickelt habe, das mit dem Objekt zu machen, also, dass ich immer ein Objekt mitbringen möchte in die Folge und darüber sprechen.
00:22:08: Leider ist es mir entfleucht.
00:22:09: Ich erinnere mich nur noch ganz wahre.
00:22:11: Ich wollte einmal als Objekt, jetzt verballere ich es, ich bring es nicht mehr mit, ja, werde ich mir andere Sachen einfallen lassen, wollte ich ein Eyeliner mitbringen.
00:22:18: Weil das echt ein Thema war, über das ich sprechen wollte, wie ... Und ich meine nämlich auch, dass ich irgendwo was gelesen habe, so was wie ein Kurs oder so eine ... Schminkschule für Personen, die quasi später im Leben erst anfangen, so mit Make-up zu handieren.
00:22:35: Das fand ich spannend, weil das was war, was ich bis dato einfach noch nie so richtig, logischerweise irgendwie mir noch nie so richtig vergegenwärtigt habe, dass das halt zu dieser Ganzwertung der eigenen Identität.
00:22:48: Eventuell, wenn das gewünscht ist, man muss sich ja nicht schminken, man muss ja auch keine hohen Schuhe tragen als weiblich gelesene Person.
00:22:55: Aber wenn man sich das wünscht, dann ist das natürlich auch was, was man dann erst mal irgendwie sich beibringen und üben muss.
00:23:01: Das lernt man ja nicht mit der Muttermilch, also abgesehen davon auch da.
00:23:05: Also da kann man echt sehen, was Sozialisierung echt so ausmacht.
00:23:09: Ich komme wirklich aus einem Haushalt, wo Frauen immer hart angepackt haben.
00:23:13: Also meine Uma besaßt zum Beispiel gar keinen Make-up.
00:23:16: Schmuck gab es zwar in so einer Schatulle, aber der wurde glaube ich echt nur einmal im Jahr vielleicht rausgeholt.
00:23:23: Meine Mutter hat sich auch ganz wenig geschminkt, wenn ich mir einen Eyeliner ziehen will.
00:23:28: muss ich heute auch immer noch ein YouTube-Tutorial anschauen.
00:23:31: Echt?
00:23:33: Wir können ja total gerne mal zusammen so ein Schmink-Event machen, wenn wir mal wieder an einem Ort sind.
00:23:39: Das finde ich total cool.
00:23:40: Ich bin sofort dabei.
00:23:41: Ich glaube,
00:23:41: ich könnte von dir viel mehr lernen als du von mir, aber ich finde das
00:23:45: total lustig.
00:23:46: Ich weiß noch, als ich die ersten Gehversuche mit Make-up gemacht habe, also ich habe bei drei Stunden gebraucht, bis ich fertig war.
00:23:54: Also es war ja ein richtiges Dragmake-Up sozusagen.
00:23:57: Heute brauche ich keine zehn Minuten und bin fertig.
00:24:00: Also du machst ja auch da eine Entwicklung durch, auch das mit den hohen Schuhen.
00:24:04: Du hast eine typische Assoziation, was Weiblichkeit bedeutet, weil du sozialisiert wurdest.
00:24:11: Und auch gerade junge Mädchen, die haben ja oft übertriebenes Make-up, übertrieben weiblichen Kleidungsstil und so weiter.
00:24:18: Und wir sprechen da auch immer so von der zweiten Pubertät, die wir durchmachen, weil wir dann auch diese übertriebene Weiblichkeit versuchen, irgendwie auszudrücken.
00:24:28: Und mit der Zeit wird das dann alles irgendwie gemäßig da, sodass du dann lernst.
00:24:33: Ich muss keine hohen Schuhe tragen, um irgendwie als weiblicher identifiziert zu werden.
00:24:37: Worüber man sich viel mehr Gedanken macht, ist, wie komme ich an?
00:24:40: Wie kommt meine Stimme an?
00:24:42: Also, die erste Wahrnehmung ist ja das Gesicht.
00:24:46: Und wie, wenn ich durch die Straßen gehe, werde ich weiblich gelesen, werde ich weiblich wahrgenommen.
00:24:51: Und da kann ich heute glücklicherweise sagen, dass das größtenteils der Fall ist.
00:24:56: Am Telefon ist es noch oftmals wegen der Stimme, dass ich dann gesagt kriege, kann ich mal mit ihrer Frau sprechen oder so?
00:25:07: Man versucht halt in der Gesellschaft, sich möglichst abzutauchen und nicht aufzufallen, dass du als Transperson entweder auffällst.
00:25:14: Das hat auch etwas mit dem Thema Sicherheit zu
00:25:16: tun.
00:25:17: Passing heißt es.
00:25:18: Genau, das Passing.
00:25:20: Und da gibt es ganz viele Dinge, die du erst nachträglich aufgrund der männlichen Sozialisation nachträglich erst lernen musst, um in diese Rolle auch so reinzuwachsen.
00:25:33: sich damit zu identifizieren.
00:25:35: Also im Kopf ist das ja schon länger, schon lange, aber die soziale Rolle nach außen zu zeigen, zu transportieren, das muss man ja erstmal erlernen.
00:25:45: Und das war ein langer, also ich weiß noch nicht, ob der Prozess mittlerweile abgeschlossen ist, also größtenteils würde ich sagen ja, aber... Es gibt immer wieder so Faktoren, wo man sich selbst ertappt.
00:25:57: Oh, das ist aber jetzt irgendwie noch ein männliches Stereotypen.
00:25:59: Und eigentlich will man sich ja von diesen ganzen Stereotypen lösen.
00:26:02: Das meinte ich eben mit meiner Frage.
00:26:03: Also, und was ist das, wenn ich dich mal fragen darf, wenn du so einen Moment ertappst?
00:26:08: Ich habe, jetzt muss ich meine beiden Mädels, die Freundinnen, erwähnen.
00:26:12: Ich war immer wieder bei denen zu Besuch.
00:26:15: Und die haben sich darüber beschwert, dass ich nie den Klodeckel runtergemacht habe.
00:26:20: Wo ich gedacht habe, hey, ist das jetzt so ein Überbleibsel aus meiner männlichen Sozialisation?
00:26:26: Jetzt achte ich aber umso mehr drauf, und jetzt gehört es für mich zu einem Automatismus dazu.
00:26:32: Aber das war so ein Ding, das hat mich dann echt auch eine Zeit lang beschäftigt.
00:26:35: Und ich habe angefangen Fotos von Toiletten zu machen, um denen zu zeigen, guck mal, überall sind die Klo-Deckel oben.
00:26:42: Ich kam in so eine Rechtfertigung irgendwie.
00:26:46: Ja, das war... So ein Ding, das mich noch ziemlich auf Trab gehalten hat.
00:26:51: Aber Sozialisation bedeutet ja auch Werte, Vorstellungen und so weiter.
00:26:55: Also nicht nur, wie präsentiere ich mich oder was habe ich so als Kind gelernt in geschlechter Vorstellungen und so weiter, aber auch Werte spielen da eine große Rolle.
00:27:06: Und die sind auch gegendert, Werte entteilen, meinst du, ja?
00:27:09: Ja.
00:27:10: Ich mache ja viele Vorträge und da habe ich mal in der Präsentation so ein Bild gezeigt von der Klassenarbeit.
00:27:15: Die Kinder und Jugendlichen in der Schule sollten sämtliche Eigenschaften, die männlich zugeschrieben wurden, in blau einkreisen.
00:27:24: Und alles, was weiblich ist, in roteinkreisen.
00:27:27: Und da hat ein Mädchen mutig in rotein gekreist und hat dafür ein Fehlerpunkt kassiert.
00:27:32: Weil Mädchen nicht mutig zu sein haben und so.
00:27:35: Das finde ich...
00:27:37: dass Mut eine gegenderte Eigenschaft sein soll.
00:27:40: Also das Resultat patriarchaler Strukturen.
00:27:44: Mhm.
00:27:44: Ich glaube auch, für Männer ist das System ja normal und dass da auch eine ganze Portion Mut dazu gehört, sich gegen dieses System einfach mal zu stellen, gegen diese patriarchale Strukturen und so weiter.
00:27:57: Und das sorgt auch jedes Mal für so ein Aufreg oder Kopfschütteln.
00:28:01: Also die Vorträge, die ich habe, die sind ja auch oftmals von Menschen besucht, die ... Ich sag mal, offen für Sinn, für neue Strukturen, für feministische Themen und so weiter.
00:28:13: Und das sind meistens Frauen, die sowas besuchen.
00:28:16: Und da ist das dann sehr oft so, dass da auch direkt, wenn die das sehen, dass da Kopf geschüttelt wird und so weiter.
00:28:24: Aber das gibt es.
00:28:24: Es war, ist noch gar nicht so lange her, wo ich das in den sozialen Medien gesehen habe und das auch sehr für kontroverse Diskussionen gesorgt hat.
00:28:35: Aber wir wollen auch mit ein paar schönen positiven Dingen abschließen.
00:28:40: Es gibt nämlich eine tolle Webseite, die ich auch immer wieder in diesem Kontext empfehle.
00:28:45: Das ist die rosahellblauefalle.de.
00:28:48: Und die haben ganz tolle Konzepte.
00:28:50: oder es gibt auch dieses Konzept Doing Gender und Undoing Gender,
00:28:54: wie man
00:28:55: sich nicht dieser Sozialisation hingibt, sondern ausbrechen kann.
00:29:02: lernen kann auch anders oder erst mal sich selbst zu finden vielleicht und auch mal anders zu denken einfach.
00:29:09: Das finde ich ganz schön.
00:29:12: Also Rosa Heilblau Falle kann ich immer nur empfehlen.
00:29:14: Die haben ganz tolle Ideen, Bücher, Studien, wie man das getestet hat in der Vergangenheit und so weiter.
00:29:22: Da kann man sich sehr gut informieren.
00:29:25: In den Show-Notes finden.
00:29:29: In den Show-Notes fassen wir die Sendung kurz zusammen oder die Folge.
00:29:34: Und weiterführende Materialien sind immer in unserem kostenlosen Steady-Newsletter, den ihr abonnieren könnt.
00:29:41: Der kostet nichts.
00:29:42: Noch mal zu Instagram.
00:29:50: Dann kommen wir zu unserem Anruf aus der Vergangenheit.
00:29:54: Und da haben wir diesmal Jaco Wende.
00:29:58: Jaco Wende hat über ... Adela Haas, eine intergeschächliche Person, sehr intensiv recherchiert und auch eine Publikation rausgebracht.
00:30:08: Und das hören wir uns jetzt an.
00:30:10: Hallo, ich bin Jakov Wende und ich habe euch die Geschichte von Adela Haas mitgebracht.
00:30:15: Sie wurde in den Neuviet-Nähe Koblenz geboren und war eine Interperson.
00:30:20: Und ich finde, ihr sollt diese Person unbedingt kennenlernen, weil es zum einen sehr wenig Biografien von Interpersonen aus der NS Zeit gibt.
00:30:29: aber auch, weil Adidas Wunsch war, dass ihre Lebensgeschichte erzählt wird.
00:30:34: Ninze und ein sechzig schrieb sie, zitat, ich möchte so gerne mein Leben in die Welt schreien und veröffentlichen, doch dazu gehört Geld, das fehlt mir.
00:30:44: Sie wurde in den Konstruktionslager in Wachsenhausen, Flossenburg, Natzweiler, Bergen-Belsen und dem Sicherungssager Schelmerk-Vorbrug eingesperrt.
00:30:52: Erzählt von grausamen sogenannten Lagerstrafen, körperlicher, darunter auch sexualisierter Gewalt.
00:30:59: Teilweise wurde sie isoliert, eingesperrt oder wurde gezwungen, im Lager Theater zu spielen.
00:31:05: Dass wir das KZ Bergenbelsen, in dem wir befreit wurde, überlebt, beschreibt sie als ein Wunder.
00:31:11: Auch nach dem Nationalsozialismus wurde sie ein Jahr eingesperrt und gefoltert, weil ihr von der französischen Gendarmerie vorgeworfen wurde eine Spionin zu sein, die im KZ Franzosen ermordet haben soll.
00:31:25: Insgesamt reden von mehr als fünf Jahre Gefangenschaft.
00:31:28: Und ich habe schon zu mehreren Personen recherchiert.
00:31:31: Unser Adele war die erste Person, die nach dem nationalsoziesischen Regime einen Antrag auf geschädigten Rente oder Haftentschädigungen beim sogenannten Amt für Wiedergutmachung gestellt hat.
00:31:44: Sie geht in diesen Anträgen oft mit ihrem Interseien um.
00:31:47: Und das Amt erkennt auch an, dass Adele wegen ihres Interseins verfolgt wurde.
00:31:53: Doch das reicht rechtlich nicht aus, um finanzielle Hilfen zu bekommen.
00:31:56: Auch ihre weiteren Versuche, in den vergangenen Jahren vor ihrem Tod, scheitern.
00:32:03: Und als ich ein Vortrag über ihr Leben in Wien gehalten habe, hat Tino Ponzer, ob Mensch bei dem Verein intergeschäftlicher Menschen Österreich, etwas Spannendes gesagt.
00:32:15: Tino hat gesagt, dass Adela eigentlich eine Interaktivistin war.
00:32:19: Sie hat sich viel für ihre Rechte eingesetzt.
00:32:23: Und auch, dass sie so offen mit ihrem Interseien umgegangen ist, finde ich erwähnenswert und total wichtig, das auch anzuerkennen.
00:32:31: Denn wir leben auch jetzt gerade in einer strukturell interfeindlichen Gesellschaft.
00:32:35: Ich persönlich finde es total spannender, die das Geschichte zu recherchieren und zu erzählen, weil ich weiß, dass er dir das wollte.
00:32:43: Ich konnte mich mit ihrer Großnichte und Großgrosneffen treffen.
00:32:50: Und auch in einer Nachbarin, die Adil noch kannte, konnte ich sprechen.
00:32:53: Und ein Großteil der Informationen habe ich in einer Broschüre veröffentlicht, die von der Handchen-Märzleckschlüftung gefördert wurde.
00:33:01: Sie ist im Beschreibungstext der Podcast-Folge verlinkt.
00:33:08: Ich glaube, das ist die erste Geschichte, die wir beim Anruf aus der Vergangenheit gehört haben über eine intergeschlechtliche Person.
00:33:15: Ja, genau.
00:33:16: Ich habe bewusst mal auch weg von Transfrauen, Transmännern, sondern auch mal eine intergeschlechtliche Perspektive reinbringen.
00:33:27: Und ab Jakowende weiß ich, dass Jako da schon sehr lange daran forscht und wurde mir auch von mehreren Seiten immer wieder empfohlen.
00:33:37: Dann dachte ich, ich muss Jako unbedingt mal anschreiben und dann hat Jakowende uns diese tolle Geschichte geschickt.
00:33:43: Und ich finde das... Diese Aussage, ich möchte mein Leben in die Welt schreien, aber dafür fehlt mir das Geld.
00:33:52: Da spielt ja auch, und das ist bei ganz vielen Transmenschen auch so, dass das Thema Klassismus auch eine große Rolle spielt.
00:33:59: Absolut.
00:34:01: Das war jetzt nicht geplant, aber das sind wir zufällig auch wieder beim Thema Sozialisationen.
00:34:06: Wo bin ich aufgewachsen?
00:34:08: Ich habe Möglichkeiten.
00:34:11: klingt für mich, da ist so viel Leid drin in dieser Aussage und das ist ja nicht nur das, was sie erlebt hat mit sexualisierter Gewalt und fünf Jahre Gefangenschaft, also einen Vorwurf als Spionin und so weiter und dieser ständige Kampf ums überleben und irgendwie gerechtfertigt zu werden und dann am Anschluss auch entschädigt zu werden.
00:34:39: Adela Haas ist ja die erste, die diese geschädigten Rente da beantragt hat und damit auch erfolgreich war.
00:34:45: Aber trotzdem hat dieser Anerkennung nicht ausgereicht, um weitere finanzielle Hilfen zu bekommen und so weiter.
00:34:52: Also sie hatten Lebendlagen irgendwie unter dieser finanziellen Last irgendwie auch gelitten.
00:34:59: Und ich glaube auch, dass das eine sehr große Rolle spielt, wenn du so drangsaliert wirst vom Staat, dass deine psychischen Fähigkeiten einfach dann nicht mehr ausreichen sind, um irgendwie einem normalen Job nachzugehen, dass dir diese Unterdrückung auch dazu führen, dass du finanziell schlechter gestellt bist.
00:35:17: Also, dass diese Repressalien da so eine große Auswirkung haben.
00:35:21: Ich finde es stark, dass sie da so gekämpft hat und wahrscheinlich war sie auch gar nicht selbstbewusst, dass sie so eine Aktivistin ist.
00:35:30: Aber sie ist zumindest mal als so eine Interaktivistin wahrgenommen worden.
00:35:34: Also,
00:35:35: ich finde das eine sehr berührende Geschichte auch.
00:35:38: Wir werden natürlich auch die Broschüre und den Link, die Webseite, die Jaco Wende da hat, werden wir auf jeden Fall auch mit verlinken im Steady Newsletter.
00:35:49: Also vielen Dank für diese wichtige Geschichte und diesen wichtigen Beitrag an Jaco Wende über Adela Haas.
00:36:03: Was ist aus der Community diesmal gekommen, Julia?
00:36:06: Was hast du gehört?
00:36:07: Ich habe über Instagram eine Frage bekommen von einer Person Martina.
00:36:16: Also ich leite ein bisschen ein.
00:36:17: Die Person hat gesagt hier, die findet diese Kategorie mit der Anrufe aus der Vergangenheit sehr spannend und hat gefragt, was denn für mich selber das größte Vorbild aus der Transcommunity ist.
00:36:29: Das finde ich ganz spannend und habe mal ein bisschen nachgedacht.
00:36:32: Die erste, die einem immer so einfällt, ist Marsha P. Johnson, die damals bei den Stonewall-Aufständen ganz vorne mit dabei war.
00:36:41: Aber ich habe bewusst nicht Marsha P. Johnson.
00:36:47: Es gibt eine Chirurgin, Marcy Bowers heißt die.
00:36:52: Sie ist selbst eine Transfrau und Gynäkologin und die erste Transfrau, die selbst auch geschlechterngleichende Operationen durchführt und sich sehr für optimale Ergebnisse einsetzt, in diesem ganzen Medizinsektor sich engagiert hat.
00:37:07: Und Marci Bauers ist heute Präsidentin der World Professional Association for Transgender Health.
00:37:16: Okay,
00:37:16: also ein lebendes Vorbild noch.
00:37:17: Also es ist keine Person aus der Geschichte, sondern eine Frau, die immer noch aktiv ist und praktiziert.
00:37:24: Sie ist sehr engagiert, ist auch in verschiedenen Transgender Law Center.
00:37:29: beispielsweise ist oder war sie im Vorstand, glaube ich, und ist ... Ja, eine Person, die mir so auf meinem Weg auch immer wieder begegnet ist, wenn es um Transgesundheit geht und um Operationen etc.
00:37:43: Und die hat, glaube ich, die Transmedizin sehr geprägt und die finde ich auf jeden Fall sehr spannend.
00:37:50: Ich werde auf jeden Fall ein paar Informationen zu ihr in den Steady Newsletter packen und da kann man sich über ihr Leben und über ihr Wirken informieren.
00:38:00: Super interessant.
00:38:02: Auch eine coole Frage aus der Community.
00:38:04: Heute machen wir einen Einblick ins Persönliche.
00:38:08: Wenn ihr auch eine Community die Frage für unseren Podcast habt, dann könnt ihr mir gerne per E-Mail schreiben oder über die sozialen Kanäle, Instagram wie auch immer, damit wir das hier in unserem Podcast mit aufnehmen können.
00:38:20: Ich hatte eben schon gesagt, das ist heute wirklich eine... ausgesprochen persönliche Folge irgendwie.
00:38:25: Und ich kann mir vorstellen, dass mit dem jetzigen Teil das Objekt, das ich mitgebracht habe, das es dadurch auch nochmal persönlich wird.
00:38:33: Also guck doch mal in deine...
00:38:34: Hast du schon die E-Mail geschickt?
00:38:36: Ja, habe
00:38:36: ich dir schon geschickt.
00:38:37: So, ich
00:38:38: schau mal rein.
00:38:40: Objekt Folge sechs und ich sehe eine... Kerze.
00:38:44: Ja, da ist wenig Doppeldeutigkeit oder Witz oder doppelter Boden dabei.
00:38:50: Also du siehst eine Kerze und du siehst auch eine Kerze, die steht für was und vielleicht hast du eine Ahnung, was ich damit vielleicht thematisieren möchte heute.
00:38:59: Den Trendsday of Remembrance.
00:39:01: Ja.
00:39:02: Ja, das habe ich mir schon fast gedacht.
00:39:04: Das ist eigentlich so die... klassische Assoziation, wenn wir im Transkontext eine Kerze sehen.
00:39:12: Also zur Erklärung der zwanzigste Elfte ist jedes Jahr ein Gedenktag für ermordete Transmenschen weltweit.
00:39:21: Genau.
00:39:22: Und ich habe die aktuellen Zahlen von diesem Jahr nicht vor Augen.
00:39:27: Aber das kann ich dir gleich sagen, das habe ich alles mitgebracht.
00:39:30: Aber genau, du hast es schon zusammengefasst.
00:39:32: Es ist ein Tag des Gedenkens für die Opfer von Transfeindlichkeit.
00:39:37: Und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, und, Sichtbarmacht stärkt und also auch einfach den Zusammenhalt der Intertrans- und Nichtbinären-Community würdigt.
00:40:08: Und wie gesagt, es ist der Tag der Trends Day of Remembrance, das erste Mal passiert in Boston und San Francisco, da wurde er ins Leben gerufen.
00:40:19: Also explizit, um auf die tödliche Gewalt gegen Transmenschen aufmerksam zu machen und ermordeter zu gedenken.
00:40:26: Und eine der Initiatorennen war die Aktivistin und Ballroom-Performerin.
00:40:33: Ich weiß jetzt nicht genau, wie man ihren Namen ausspricht.
00:40:35: Ich versuche es nach bestem Wissen und Gewissen.
00:40:37: Das Krasse ist, sie wurde im Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai,
00:40:48: Mai,
00:40:48: Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai, Mai.
00:41:11: Trans-Murder-Monitoring, das veröffentlicht jedes Jahr Zahlen.
00:41:15: Und die aktuellsten Zahlen sind das zwischen dem ersten Oktober, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April, April,
00:41:37: April, April, April, Ja, aber es sind auch genderfluide Personen, die, also das eben gesagt, überwiegend transweiblich.
00:41:44: Ich meine, mich zu erinnern, es waren neunzig Prozent oder fünfe neunzig Prozent sogar transfeminine Personen, die da zum Opfer fallen.
00:41:53: Und also ich beobachte das auch schon seit einigen Jahren.
00:41:56: Ich habe die Zahlen nicht immer parat, aber das ist eine sehr problematische Entwicklung.
00:42:02: Ich finde es gut, dass es diesen Tag gibt, um darauf aufmerksam zu machen um darüber zu sprechen und wir müssen glaube ich betonen das sind nur die zahlen.
00:42:11: das hell fällt das dunkel fällt wird wahrscheinlich noch viel viel größer sein.
00:42:15: das sind nur die zahlen die auch in ländern erfasst werden wo es Strukturen gibt, wo man das erfassen kann.
00:42:24: Also es gibt ganz viele Länder, die haben ja gar keine Meldestellen oder gar keine Transorganisationen, die das irgendwie erfassen könnten und so weiter.
00:42:32: Also da wird noch eine ganz viel, viel höhere Dunkelziffer vorhanden sein, denke ich mir.
00:42:36: Genau.
00:42:37: Und das ist jetzt quasi der globale Blick auf das Thema.
00:42:42: Wir haben natürlich auch in Deutschland ganz spezifische Zahlen und die Bedrohungslage aller queeren Communities ist in Deutschland in den letzten Jahren ja auch total viel schlechter geworden.
00:42:53: Also auch da habe ich mir die Zahlen nochmal angeguckt laut BKA.
00:42:56: Auch hier geht es nur um registrierte Fälle, also das Hellfeld.
00:43:00: Laut BKA wurden, zwanzig, vierundzwanzig, insgesamt fast dreitausend queerfeindlich motivierte Straftaten erfasst, also zwei tausend neunhundertsebzehn, um ganz genau zu sein.
00:43:11: Und das ist mehr als eine Verdoppelung im Vergleich zu zwanzig, zweiundzwanzig.
00:43:18: Und wie sichtbar dieser Transday of Remembrance ist in unserem Alltag am zwanzigsten oder auch vielleicht davor, weil im Vorfeld zum Transday of Remembrance gibt's auch noch eine Awareness Week.
00:43:32: Also wie stark das in der Öffentlichkeit abgebildet wird, hängt eigentlich immer total ab vom Einsatz lokaler Gruppen oder auch Engagement von KommunalpolitikerInnen.
00:43:44: Ich hab jetzt mal geguckt, ich hab gesehen, dass zum Beispiel, da hab ich mich echt drüber gefreut, die Stadt Mainz in diesem Jahr erstmalig die Transflagge gehisst hat?
00:43:51: Ja.
00:43:52: Und natürlich gibt es in vielen Städten in ganz Deutschland Gedenkveranstaltungen und Demos und Mahnwachen und in Baden-Württemberg waren es allein elf Veranstaltungen.
00:44:03: Wie viel es insgesamt in Deutschland gab, konnte ich leider nicht rausfinden, aber jetzt so punktuell rausgegriffen.
00:44:07: Also hier in Berlin weiß ich, dass vom Berliner Berliner Schöneberger Rathaus auch die Transflagge gehisst wurde.
00:44:15: Hier in Neukölln.
00:44:16: in meinem Bezirk gab es eine Demo, einen Walk of Hope und auch eine ganz tolle Ausstellung.
00:44:21: eines Programms in einer Kapelle und da ging es ganz viel um Erinnern und Trauern.
00:44:29: und ja, also auch die Fragen jetzt in Bezug auf Transinton.
00:44:35: Nichts binäre Personen, vielen Menschen wurde auch nach dem Tod ihre Identität nicht zugestanden.
00:44:42: Also zum Beispiel, dass man dann unter dem Herkunftsname oder dem Ursprungsname vielleicht bestattet wird und den Wünschen der eigenen Identität nicht entsprochen wird.
00:44:53: Und da gab es ein ganz tolles Programm, das hieß Queer Lives, Queer Loss und Queer Morning.
00:44:59: Und das hat in dieser Woche vor dem Remembrance-Tag stattgefunden.
00:45:04: Und was mir auch aufgefallen ist, dass medial eigentlich fast gar nichts zum Tag gebracht wird, also außer natürlich in aktivistischen Medien.
00:45:14: Aber jetzt in den gängigen Bleibmedien konnte man eigentlich zu dem Thema fast gar nichts finden, obwohl sich die Zahlen ja auch anschließen lassen könnten an die aktuellsten Zahlen zu geschlechtsspezifischer Gewalt, die gerade Ende November auch veröffentlicht wurden.
00:45:31: Da gehen die Zahlen ja auch... Leider wirklich deutlich hoch, genauso wie bei der Queer- und Transfeindlichkeit.
00:45:38: Also sowas Straftaten gegen Frauen, sexuelle und häusliche Gewalt gegen Frauen betrifft.
00:45:45: Das könnte man ja auch zusammen erzählen oder parallelen aufzeigen.
00:45:49: Das ist einfach echt schade, dass da wirklich so überhaupt nichts in der Berichterstattung passiert.
00:45:56: Und es trägt natürlich auch zur Unsichtbar-Machung.
00:45:59: Das Thema weiter zwei.
00:46:01: In der Tat gab es einen Beitrag von der Autorin Ravel Nasir, die kritisierte auch, dass das öffentliche Interesse fehle und sie schreibt.
00:46:10: Das lese ich einmal kurz ab.
00:46:12: Die Medien interessieren sich mittlerweile nur noch für Transthemen, wenn Nazis aus transfeindlichen Motiven vom Selbstbestimmungsgesetz Gebrauch machen oder Polizeipräsidien ihre eigenen Leute verdächtigen.
00:46:25: kann man echt nur sagen, dass diese Themen in der öffentlichen Berichterstattung so gut wie nicht vorkommen.
00:46:33: Und dass das eigentlich dringend geboten wäre, dass sich das ändert.
00:46:38: Ja.
00:46:39: Der Bundesverfassungsschutz hat, also erst mal sind dieses Jahr noch nie so viele CSTs angegriffen worden.
00:46:45: Jeder Zweite laut Antonio Amadeus Stiftung.
00:46:48: Genau.
00:46:49: Und der Bundesverfassungsschutz hat erstmals für eine Gefahr, für Leib und Leben gewarnt.
00:46:55: dass die queere Community, da sie unter Druck steht und da sind nochmal Transpersonen, weil jetzt das Selbstbestimmungsgesetz letztes Jahr so diskutiert wurde, immer mehr in den Fokus gerückt worden und nochmal von ganz anderer struktureller Gewalt auch betroffen sind, also dass man ihren Namen nicht anerkennen möchte und so weiter.
00:47:15: Und du hast gerade eben gesagt, dass zum Beispiel auch über den Tod hinaus, das ist da oftmals noch zu fremdbestimmten Situationen kommt.
00:47:28: Und vor ein paar Jahren ist eine Freundin von mir gestorben und da gab es ganz heftige Diskussionen, ob sie jetzt als Mann oder als Frau beerdigt werden darf.
00:47:37: Und das hat mir noch mal bewusst gemacht, dass wenn du in das entsprechende Alter kommst und ein Testament schreibst, dass du da hierzu auch sehr klare Regelungen fordern kannst.
00:47:48: Also ich möchte selbst bestimmt entscheiden können, wie ich später beerdigt werde zum Beispiel.
00:47:54: Und das hat es mir nochmal sehr bewusst gemacht, dass man das Heft in die Hand nimmt und das selber regelt, anstatt das Anderen zu überlassen und dass da nachher zu Streitigkeiten kommt.
00:48:04: Also das möchte ich auch gerne allen Transmenschen irgendwie nochmal mit ans Herz legen, dass, wenn es soweit sein sollte, dass man sich darüber Gedanken macht, das im Testament mit aufzunehmen.
00:48:15: Welche Kleidung, mit welchem Namen, was soll auf dem Grabstein stehen und solche Sachen.
00:48:19: Das ist für viele ganz wichtig und wird oft nicht mitgedacht.
00:48:23: Vielleicht gehört es auch schon eine Stelle vor das Testament in so etwas wie eine Patientenverfügung.
00:48:27: Da kann man ja auch niederschreiben, wie man sich den Sterbeprozess wünscht.
00:48:32: Und das Testament wird ja wahrscheinlich erst nach dem bestätigten Tode geöffnet.
00:48:37: Und dann sind ja vielleicht schon Schritte passiert, die auch wieder fremdbestimmt waren.
00:48:41: Also in besten Falle hat man ja auch diese Phase vorher ... schon im Vorfeld für sich bestimmt und festgelegt.
00:48:48: Das ist das eine, das finde ich auch total wichtig, sich damit auseinanderzusetzen und wahrscheinlich einfach auch frühzeitig.
00:48:56: Und der Verein oder die Initiative, die dieses tolle Programm, von dem ich eben erzählt habe, auf die Beine gestellt hat, da stecken unter anderem auch BestatterInnen bzw.
00:49:08: TrauerbegleiterInnen dahinter und die haben ganz tolles Queer.
00:49:14: sensibles Angebote für den Trauer-Begleitungsprozess, den Sterbeprozess und die machen ganz, ganz tolle Angebote.
00:49:25: Da will ich auf jeden Fall auch selber nochmal tiefer reinschauen, weil die auch so Info-Veranstaltungen machen und das verlinken wir auf jeden Fall auch.
00:49:32: Also das ist definitiv auch was, was sicherlich für unsere Hörerinnen interessant ist.
00:49:40: Ja, jetzt ist das ein bisschen schwer geworden.
00:49:43: Das
00:49:44: ist ein schweres Thema.
00:49:45: Aber wichtig ist jetzt gerade mal ein paar Tage, paar Wochen her, dass dieser Gedenktag stattgefunden hat und deshalb auf jeden Fall danke, dass du das ausgepackt hast.
00:49:57: Ich habe die Kerze aber noch aus einem anderen Grund mitgebracht.
00:50:00: Okay.
00:50:01: Also, die Kerze hat jetzt einmal den Kerzenscheinwerfer sozusagen nach hinten gerichtet auf den Trendsday of Remembrance, der am zwanzigsten November passiert ist.
00:50:11: Aber vor uns liegt eine Weihnachtszeit und nach vorne strahlt dieses Kerzenlicht auch.
00:50:16: Und ich finde, das ist auch nochmal kurz zu erwähnen.
00:50:19: Schließlich ist es unsere letzte Folge in diesem Jahr und wir gehen mit großen Schritten.
00:50:25: auf die in Anführungsstrichen besinnliche Zeit des Jahres zu.
00:50:30: Für viele Menschen bedeutet das.
00:50:32: Familienzeit, das Fest der Liebe auch da wieder in Anführungsstrichen.
00:50:36: Für extrem viele Menschen ist das aber auch eine Krisenzeit.
00:50:39: Also, das beschränkt sich überhaupt nicht auf Trans-Inter und nicht binäre Menschen, aber auf Menschen aus der Queen-Community auf jeden Fall sicherlich auch überproportional stark.
00:50:49: Weil es ist die Zeit, in der man sich vielleicht besonders einsam und vielleicht von seiner Familie auch verlassen oder im Stich gelassen fühlen kann.
00:50:56: Und ich würde ganz gerne ganz kurz mit dir darüber sprechen, wie ... sich Personen, die Gefahr laufen, vielleicht wirklich sich schlecht zu fühlen in dieser Zeit, wie die sich am besten wappnen können.
00:51:07: Dafür, dass sie nicht alleine durch diese Zeit müssen, sondern vielleicht sich mit anderen Menschen zusammentun können.
00:51:13: Also, ich hab ganz naive Ideen.
00:51:16: Ich weiß nicht, ob es da eine Organisation gibt.
00:51:18: Vielleicht hast du da ein bisschen mehr Ahnung.
00:51:21: Aber meine Idee grundsätzlich ist, dass man sich am besten frühzeitig drum kümmert, irgendwie mit Wahlfamilie oder Freundinnen.
00:51:30: sich zusammen zu tun und vielleicht ein nettes Essen miteinander macht oder ein Spieleabend oder von morgens bis abends Serien glotzt oder was auch immer, worauf man halt bockert, aber dass man nicht ins offene, vierundzwanzigste, zwölfte Messer läuft, sondern dass man es am besten vorher überlegt hat, bedacht hat und vielleicht die nötigen Schritte eingeleitet hat, nicht alleine zu sein.
00:51:51: Auch nochmal eine persönliche Frage an dich.
00:51:53: Hast du noch einen richtig guten Tipp, wie
00:51:56: ... Also ich weiß, also Familie ist immer Definitionssache, ist ja nicht immer nur Blutsverwandtschaft, sondern man sucht sich auch Wahlfamilien.
00:52:04: Und da gibt es ja oft so diejenigen, die sich als Familie verstehen, dass die dann für sich selbst organisieren, wie sie das Weihnachtsfest, wenn sie es denn überhaupt feiern möchten, wie sie das gestalten wollen und so weiter.
00:52:17: Ich weiß, dass es auch in den queeren Communities oder auch in den speziellen Trans-Communities entsprechende.
00:52:24: Also ich habe mal gehört von einer Selbsthilfegruppe, die dann gemeinsame Weihnachtsfeier gestaltet hat.
00:52:31: Ich war auch mal, ich komme ja ursprünglich aus der Gruppelänzer-Ecke.
00:52:34: Da gab es dann einen Verein, der gesagt hat, hier lass uns mal alle zusammen irgendwie an Weihnachten treffen, weil wir wissen auch viele von euch sind alleine und so.
00:52:43: Also da gibt es unterschiedliche Angebote und da kann ich einfach nur empfehlen.
00:52:46: dass man sich an die queeren Organisationen vor Ort regional irgendwie wendet und einfach fragt, was habt ihr da?
00:52:53: Also es gibt mit Sicherheit einiges an Angeboten.
00:52:56: Ich weiß aber auch mal, ich habe mal bei Facebook eine Gruppe damals gesehen, die sich gegründet hat und ein Angebot speziell an Menschen gerichtet hat, die alleine sind, die keine Familie haben, die sie irgendwie zurückgezogen leben und trotzdem irgendwie an Weihnachten nicht alleine sein wollen.
00:53:12: Und die haben spezielle, also ich glaube, die haben das so organisiert, dass man sich da ein Gruppen zusammen tun konnte, dann wurde man gewürfelt, dass man sagt, da sind jetzt zehn Leute, die zusammen Weihnachten feiern können und so, die haben dann einen großen Pool an Leuten.
00:53:26: Und das fand ich eine ganz spannende Geschichte.
00:53:29: Und ich weiß aber jetzt nicht mehr, wie diese Gruppe heißt, müsste ich dann raussuchen.
00:53:33: Und wenn ich es gefunden habe, packe ich das gerne auch in die Newsletter rein.
00:53:37: Aber ich habe auch gedacht, also in regionalen Gruppen zu schauen, ob es da ein Angebot gibt.
00:53:42: Und wenn man das Bedürfnis hat, irgendwas an diesem Tag zu machen, um nicht alleine zu sein oder vielleicht feiern möchte oder eben nicht feiern möchte, dass es halt für alle Bedürfnisse auch Lösungen geben kann.
00:53:53: Ja, also ich mach mit meinem Mädelsclub wieder so ein Schrottwichteltag und das wird immer ganz lustig mit Feuerzangenbohle und Ralala.
00:54:00: Und da freue ich mich schon
00:54:02: drauf.
00:54:02: Freude Blitz, Feuerzangenbohle.
00:54:04: Und dann liegt ihr alle um neuen im Bett.
00:54:09: Das wird auf jeden Fall immer witzig.
00:54:11: Ja,
00:54:11: das klingt nett.
00:54:12: Da freue ich mich drauf.
00:54:13: Ja, voll gut.
00:54:21: Okay, dann kommen wir zu unseren Kulturempfehlungen.
00:54:26: Möchtest du anfangen?
00:54:27: Ja,
00:54:27: was im Gepäck und das pack ich gerne aus.
00:54:31: Lustigerweise hast du Ihren Namen eben schon erwähnt, Marsha P. Johnson.
00:54:34: Oh wow.
00:54:37: Es gibt eine Doku, die ich einfach auch im Kontext des heutigen Themas oder des Objekts, das ich mitgebracht habe, also im Kontext zu dem Thema, einfach passend finde.
00:54:46: Die Doku heißt The Death and Life of Marsha P. Johnson.
00:54:50: Und es geht um die afroamerikanische Trans-Ikone und Aktivistin Marsha P., die im Jahr nineteenhundertzweiundneinzig Tod im New Yorker Hudson River gefunden wurde.
00:55:02: Und du hattest ja eben schon kurz angerissen, als es in der Community Frage um deine persönliche Ikone geht.
00:55:08: Also Marsha P. war auch im Kontext der Stonewall Riots einfach eine wichtige Figur und Stimme und gründete.
00:55:16: später, Anfang der Siebzigerjahre, zusammen mit einer Aktivistin, Freundin Sylvia Rivera, eine Organisation, die hieß Star, und die hat sich für Street Transvestite Action Revolutionaries, also dafür stand das, sich halt für die Trans-Community eingesetzt.
00:55:33: Und dieser Film beleuchtet wie twenty-fünf Jahre nach dem Tod von Marsha P. eine ... weitere Aktivistinnen und Freunden, die Victoria Cruz, den Todesfall von Marsha wieder aufrollen will.
00:55:48: Denn die Todesursache wurde nie abschließend geklärt.
00:55:51: Und genau darum geht es in diesem... Dokumentarfilm, also genau, es ist eigentlich eine investigative Recherche einer einzelnen Person, auch einer Transperson auf Kalla, die sich da wirklich durch sämtliche Verwaltungspapiere wälzt und Interviews führt, also sowohl mit Familienmitgliedern, mit früheren Wegbegleiterinnen, Freundinnen etc.
00:56:14: und wirklich alle Kraft aufwendet, um da Licht nochmal ins Dunkel zu bekommen.
00:56:21: Und das ist einfach eine... Wichtige Geschichte und auch wieder eine Geschichte, die zeigt, dass ohne Aktivismus Transgeschichte eigentlich überhaupt nicht stattfinden würde.
00:56:31: Allerdings gab es wohl auch, und da bin ich aber nicht besonders gut im Bilder, aber es gab wohl zu diesem Film im Nachgang der Filmveröffentlichung auf Netflix Vorwürfe aus der Community, dass hier eine schwarze Transfrau quasi... die ganze Arbeit macht, aber der Film wohl von weißen Produktionsstrukturen gemacht wurde.
00:56:51: und ich habe das jetzt nicht tiefer recherchiert, mache ich aber gerne im Nachgang unserer Folge nochmal und würde das dann auch entsprechend noch in unserem Steady Newsletter mitverorten.
00:57:00: Also ich fand die Doku gut, ich habe da viel gelernt über diese Personen und auch über die Zeit heute.
00:57:10: Ganz aktuell ist der Film nicht, der ist, glaub ich, von... von zwanzigachzehn oder siebzehn.
00:57:15: Ich find ihn trotzdem sehenswert, aber wie es leider oft der Fall ist, muss man solche Produkte auch immer noch mal kritisch beugen,
00:57:22: also...
00:57:23: Ja, leider, ja.
00:57:24: Und das ist mein Filmbeitrag.
00:57:27: Und dann habe ich noch was mitgebracht, was mir wirklich auch total im Herzen liegt.
00:57:30: Und ich finde auch wahnsinnig gut zum heutigen Thema passt.
00:57:33: Ich versuche mich gerade zu verabschieden.
00:57:35: Also ich persönlich habe mein Netflix-Account auch gekündigt und will gerade so ein bisschen aus diesen ganzen Digitalstrukturen mich zurückziehen, weil es mich einfach auch echt anstrengt und weil mich viele Dienstleister auch einfach echt so anpissen.
00:57:50: Unter anderem auch Spotify.
00:57:51: Und ich habe gerade im Zuge meiner Rückkehr aus Spotify Spotify oder meines Nutzungsunwillens aus Spotify meine CD-Sammlung wieder entdeckt.
00:58:03: Oh wow.
00:58:04: Und dabei bin ich auf ein ganz besonderes Album wieder gestoßen, was ich neulich ... mehrfach gehört habe.
00:58:11: Ich finde, das passt gut in die Zeit.
00:58:13: Es ist traurig, aber wunderschön gleichzeitig.
00:58:16: Und zwar I am a bird now von Anoni.
00:58:20: Und das verlinken wir auf jeden Fall auch.
00:58:23: Und das ist ein wunderschönes Album, in dem es viel um Sterben, um Transition, um Verbindung, um Glück und Traurigkeit geht.
00:58:34: Und das ist wirklich... Es ist einfach so ein schönes Album von zwei tausend fünf.
00:58:40: Es überdauert und übersteht alle Zeit.
00:58:44: Es klingt gar nicht alt.
00:58:46: Es ist wirklich einfach ein Stück Kunst.
00:58:48: Hör ich mir an, auf jeden Fall.
00:58:50: Aber zu diesen digitalen Detox.
00:58:52: Ich habe meine Instagram App gelöscht.
00:58:54: Also ich habe meinen Account noch, aber bin nicht mehr permanent.
00:58:58: Auf dem Handy online und als ich im Zug saß, habe ich ganz verdutzt festgestellt, was machst du jetzt?
00:59:03: Und dann habe ich halt ein Buch ausgepackt.
00:59:05: Und ich glaube, dass das auch eine sehr gute Bereicherung sein kann, sich dann von diesen ganzen digitalen Angeboten mal zu verabschieden.
00:59:14: Ja, ich versuche gerade auch, das Lesen wieder stärker zu kultivieren.
00:59:17: Aber es ist manchmal gar nicht so leicht, gerade wenn man aus so einer... digitalisierten Mindset kommt, dann überhaupt mal wieder so das zu schaffen, sich ja auf dem Buch einzulassen.
00:59:26: Aber wenn es dann klappt, it's the best.
00:59:28: Es
00:59:29: hat geklappt.
00:59:30: Super.
00:59:31: Hast du noch was, was du empfehlen möchtest auf den letzten Drücker, bevor wir uns hier verabschieden?
00:59:36: für für heute und für zwanzig, fünf zwanzig?
00:59:38: Ja, und zwar habe ich ein Theaterstücke oder Musical gefunden und zwar ist das Hedwig and the Angry Inch.
00:59:49: Kennst du das?
00:59:50: Oh,
00:59:50: I love it, ja.
00:59:52: Kennst du das?
00:59:52: Also ich kenne das als Film, ich habe das Musical nicht gesehen, aber ich kenne das als Film, aber ja, es ist natürlich auch sehr musikalisch.
00:59:58: Es
00:59:58: hat, es ist am Broadway das erste Mal als Musical gelaufen, wurde dann, als Film, also verfilmt, dann gab es mehrere Theaterstücke dazu und so weiter.
01:00:10: Und es ist jetzt ab Januar im Augsburger Staatstheater zu sehen.
01:00:14: Oh, das
01:00:14: ist so toll.
01:00:15: Irgendwie war das so ein Kultfilm, in den echt viel geguckt und ich fand die Musik toll und die Kostüme und...
01:00:21: Ich habe mir gedacht, dass das voll was für dich ist und ich habe es noch nicht gesehen.
01:00:24: Ich würde mir das dann auch gerne anschauen.
01:00:26: Also inhaltlich geht es halt.
01:00:28: Hedwig ist eine Rock'n'Roll Drag Queen, die in Ostberlin geboren ist und ich sage mal aufgrund unglücklicher Umstände.
01:00:38: eine Geschlechtsangleichung quasi gemacht hat.
01:00:41: Und das beschreibt dann so die Herausforderungen, die sie jetzt hat und natürlich auch dieser Kampf von Ostberlin sich in der neuen Welt irgendwie durchzusetzen und so.
01:00:54: Und ich fand das eine ganz spannende Geschichte und habe gesehen, dass die ab Januar im Augsburger Staatstheater wieder neu aufgesetzt wird.
01:01:03: Erinnert mich direkt, dass ich in meiner alten CD-Kiste mit so gebrannten und, also früher hat man ja so Mixed Tapes und Mixed CDs bekommen, da müsste ich sogar noch den Soundtrack von Hedwig and the Angry Inch haben.
01:01:16: Ich guck mal, ob ich das finde.
01:01:17: Ja.
01:01:18: Das ist ja was.
01:01:19: A blast from the past, würde ich das mal nennen, aber wie schön.
01:01:28: Dann kommen wir zu unserer Kategorie mit den Preisen, Antipreis und ein positiver Preis.
01:01:33: Und zwar haben wir den goldenen Blumenstrauß und der geht dieses mal an.
01:01:38: Den neuen Bürgermeister von New York, Soran Mamdani.
01:01:44: Und wir hatten ja heute schon ein paar Mal Marsha P. Johnson und er hat in einem YouTube Video nochmal speziell auf die Situation von Transpersonen aufmerksam gemacht.
01:01:52: Und auch dort das nochmal erwähnt, dass Marsha P. Johnson dass ihr Tod nie richtig aufgeklärt wurde und die Verantwortlichen nie irgendwie verfolgt wurden.
01:02:04: Das hat er selbst noch mal thematisiert.
01:02:06: Und er hat gesagt, dass die Trans-Community gerade enorm unter Druck steht und dass der Mann mit der größten Macht die Schwächsten unserer Gesellschaft verfolgt.
01:02:15: Also damit hat er natürlich Donald Trump gemeint.
01:02:17: Und er hat gesagt, wir werden hunderte von Anwältinnen engagieren, um Trumps Hass entgegenzutreten und New York City soll eine Century City für Transmenschen sein.
01:02:28: Und weil er sich so stark schützend vor die Transcommunity stellt, habe ich gedacht, er hat auf jeden Fall diesen goldenen Blumenstrauß verdient.
01:02:36: Absolut.
01:02:36: New York.
01:02:38: New York.
01:02:38: Oh, ich habe echt viel Hoffnung, wenn ich auf diesen... Jungen Bürgermeister, schau, ich bin sehr gespannt.
01:02:44: Was sehr bewegt.
01:02:45: Echt eine Hoffnungsträger.
01:02:46: Genau.
01:02:47: Für eine ganze Generation irgendwie so ein Hoffnungsschimmer in dunklen Zeiten.
01:02:51: Und der ist so zur Symbolfigur irgendwie geworden.
01:02:54: Ja.
01:02:55: Finde ich total super.
01:02:56: Okay, und den Antipreis unserer sechsten Folge bekommt.
01:02:59: Das Angstkatzenhäschen geht an.
01:03:03: Also es hat mit der Weltklimakonferenz zu tun.
01:03:06: Dort haben sich sechs Staaten dagegen ausgesprochen.
01:03:10: Also es gibt dort auch verschiedene Dokumente, die dann publiziert werden und wo man sich auch für Geschlechtergerechtigkeit und so weiter einsetzt.
01:03:17: Und es gibt sechs Staaten, die blockieren, die Definition von Geschlecht dort mit aufzunehmen.
01:03:25: Und diese sechs Staaten sind Paraguay, Argentinien, der Iran, Indonesien, Malaysia und natürlich der Vatikan.
01:03:35: Und sie wollen ihre Interpretation von Geschlecht in den Fußnoten der Erklärung durchsetzen, in denen sie Transmenschen nicht anerkennen wollen.
01:03:43: Also man sieht, auch dort auf einer Wettklimakonferenz ist die Definition von Geschlecht ein Thema.
01:03:50: Und auch dort gibt es natürlich immer wieder Leute oder Länder, Nationen, die sich das Ganze irgendwie top edieren und blockieren möchten.
01:04:01: Und deshalb dachte ich, das hat auf jeden Fall auch... unser Angstkatznäschen als Preis verdient.
01:04:06: Sehr wahr.
01:04:07: Ein Link dazu packe ich dann gerne auch in den Steadie-Newsletter.
01:04:11: Da gibt es einen Bericht drüber.
01:04:12: Danke dir, Julia, dafür.
01:04:14: Und für uns, it's a wrap.
01:04:17: Danke für diese Folge, für das letzte Mal in dem Jahr.
01:04:22: Und ich freue mich darauf, was nächstes Jahr passiert.
01:04:26: Ich wünsche dir so viel Spaß beim Schrottwichteln.
01:04:29: Und... Euch hören wir.
01:04:31: Nee, ihr hört uns.
01:04:32: So rum ist es.
01:04:35: Wenn ihr möchtet, dann circa zum Ende der ersten Januarwoche wieder.
01:04:39: Dann sind wir mit der siebten Folge zurück und bleibt dabei.
01:04:43: Passt gut aufeinander auf und auf euch selbst.
01:04:46: kommt gut durch diese crazy letzten Wochen des Jahres und lasst euch alle bloß nicht unterkriegen.
01:04:52: Und danke, dass ihr regelmäßig zuhört und schickt es gerne weiter an euren Freundeskreis und Menschen, die sich gerne zum Thema informieren möchten.
01:05:01: Bis dann.
01:05:02: Tschüss.
01:05:03: Ciao.
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